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Zwischen dem ehemaligen Fischerdorf Rathen an der Elbe und dem Aussichtspunkt der Bastei, von der man einen weiten Blick über das geschwungene, 200 Meter tiefer liegende Elbetal hat, liegt die Felsenburg Neurathen. Die von böhmischen Rittern in mühevoller Arbeit mit Schlegel und Eisen angelegte Naturfestung trug Bauten aus Holz und Fachwerk, die leider nicht mehr erhalten sind. Forschungen und Grabungen in den Jahren 1933/34 enthüllten das Bild einer bedeutenden Befestigungsanlage des Mittelalters. Ein etwa 150 m langer Wehrgang und eine große Steinschleuder sind besonders beeindruckend. Das Burggelände mit seinen über bis zu 60 Meter tiefe Felsklüfte führende Stege konnte in den Jahren 1982-84 durch den aktiven Einsatz Sebnitzer Bergsteiger rekonstruiert werden und ist seitdem in der heutigen Form der Öffentlichkeit zugänglich. Von dieser Höhenburg, die bis 1469 bestanden hatte, genießt man einen herrlichen Ausblick auf die Sächsische Schweiz.
Die Felsenburg Neurathen ist fest verbunden mit der Burg Altrathen an der Elbe. Doch die Bezeichnung der beiden Teilburgen "Altrathen" und "Neurathen" ist neueren Ursprungs. In geschichtlichen Quellen werden sie zusammen "ambo castra Ratny" (die beiden Rathener Burgen) genannt. Das Verteidigungssystem dieser Doppelburgen erstreckte sich über 700 Meter.
Die Ursprünge der Felsenburg Neurathen an der Nordgrenze des Königreichs Böhmen zur Mark Meißen liegen weitgehend im Dunkeln. Erstmals tauchte der böhmische Lehensmann Theodericus de Raten am 29. November 1261 in einer Urkunde in Verbindung mit der Veruntreuung bischöflicher Güter auf. In einer zweiten urkundlichen Nennung aus dem Jahr 1289 in einem Tauschvertrag zwischen dem böhmischen König Wenzel II. und dem in Dresden residierenden Friedrich Clem (jüngste Sohn des Markgrafen Heinrichs des Erlauchten und dessen dritter Frau Elisabeth von Maltitz) wird ein Castrum erwähnt. Die urkundlichen Nennungen lassen jedoch offen, auf welche der beiden Burgen sie sich beziehen. Erst in einer Urkunde des Kaisers Karl IV. aus dem Jahre 1361 geht Peter von Michelsberg als Besitzer der beiden Rathener Burgen hervor.
Anfang des 15. Jahrhunderts erwarb Hinko II. aus dem böhmischen Geschlecht der Berka von der Duba von Johann von Michelsberg die freie Herrschaft Rathen. Hinko nahm 1410 eine Erbteilung seines Besitzes vor und überließ Rathen seinem dritten Sohn Benesch. Unter den böhmischen Adelsfamilien gewannen die Berka von der Duba seit der Mitte des 14. Jahrhunderts eine immer größer werdende Bedeutung. Vor allem von der Burg Hohnstein aus intensivierten sie den Ausbau von Felsenburgen und Warten in der heutigen Sächsischen Schweiz. Doch damit lagen sie in jener Zeit in steter Fehde mit den meißnischen Markgrafen aus dem Hause Wettin. Nach dem Tod Kaiser Karls IV. 1378 gelang es dem Markgrafen Wilhelm I., seine Landesherrschaft schrittweise auf die Gebiete der verschiedenen böhmischen Adelsfamilien auszudehnen. Nachdem in der Dohnaischen Fehde 1402 bereits die Macht der Burggrafen von Dohna, die im 13. Jahrhundert eine autonome Position im Grenzgebiet zwischen der Mark Meißen und dem Königreich Böhmen erlangt hatten, fiel, nahm Wilhelm I. auch den Weesenstein und 1408 der Königstein und den Lilienstein ein. Mit Pirna und Wehlen gewannen die Wettiner weitere strategisch wichtige Orte zurück. So verloren auch die Berken von der Duba 1439 Rathen nach zweimaliger Belagerung an Friedrich von der Oelsnitz, Vogt auf dem inzwischen sächsischen Königstein. Doch damit war die Zeit der Machtkämpfe noch nicht vorbei. Friedrichs Sohn, Hans von der Oelsnitz, geriet bald als "Raubritter" in Verruf, so dass sich Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Herzog Albrecht ab 1467 gezwungen sahen, gegen Hans von Oelsnitz vorzugehen. Nach der Belagerung beider Burgen gelang es ihnen 1469 die Burgen zu erobern, zu zerstören und in die landesherrliche Verwaltung aufzunehmen. Seitdem wurden die Burgen nicht mehr gebraucht und verfielen rasch. Bereits 1530 soll die Burg Neurathen eine Ruine gewesen sein.
Ab dem frühen 19. Jahrhundert begann eine erste touristische Erschließung der Bastei. Neben einer Treppenanlage, die von Rathen zur Bastei hinaufführte, entstanden auch Holzbrücken zwischen der Bastei und dem Neurathener Felsentor und ermöglichten damit erstmals seit der Zerstörung der Burg den Übergang von der Bastei zur Felsenburg. Ihr Kernbereich ist heute über eiserne Stege zugänglich, die einst den hölzernen Wehrgang für eine hohe Mobilität der Burgbesatzung markierten. Es ist kaum vorstellbar, dass sich hier über 10 in den Fels geschlagene Burgräume und mehrere Übertagebauten befanden, die einer 20köpfigen Besatzung Unterkunft boten. Die Wasserversorgung sicherte eine Zisterne. Der westliche Zugang der Felsenburg war wie heute am Neurathener Felsentor. 1851 wurde die hölzerne Brücke durch eine Sandsteinbrücke ersetzt. Durch das Neurathener Felsentor führt der Weg über die 76 Meter lange und drei Meter breite Basteibrücke zum Basteiplateau.
Die Burgen Altrathen und Neurathen werden durch zahlreiche sehenswerte Wanderwege erschlossen. Einer der schönsten verbindet vom Basteiparkplatz kommend die beiden Burgen zu einem interessanten Rundweg. Unterwegs passiert man die sogenannten Schwedenlöcher und den Amselsee.
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Stand: 17.12.2016