Historisches Sachsen
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Beschreibung
Jagdschlösser dienten hauptsächlich der Unterbringung von Herrscher und Hofstaat anlässlich der Jagd. Die Jagd von Wildtieren war früher ausschließlich dem Landesherrn vorbehalten. Sie war Zeitvertreib und gleichzeitig Ausdruck der Macht des Herrschenden.
Auch in Graupa, unweit von Pirna, war es nicht anders. Das alte Rittergut diente als Jagdsitz, wenn sich sächsische Kurfürsten und Könige unterhalb des Borsberges zur Jagd aufhielten.
Obwohl Graupa seine erste Erwähnung bereits im 14. Jahrhundert fand, beginnt die Geschichte des Jagdschlosses erst 200 Jahre später mit dem Erwerb eines Rittergutes. Christoph von Loss, zu damaliger Zeit Besitzer des nahen Pillnitzer Schlosses, erwarb 1579 das Rittergut mit den Siedlungskernen Groß-, Klein- und Neugraupe. Er legte um 1600 auch ein ummauertes Wildgehege neben dem Rittergut an, um ständig genügend Wildtiere für die herrschaftlichen Jagden parat zu haben. Aus dem Wildgehege entstand später der Schlosspark.
Das Schloss, ein schlichtes zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach, geht in seinem Kern auf einen Bau aus dem 17. Jahrhundert zurück. 1666 errichtete wahrscheinlich der Geheime Rat Heinrich von Friesen aus Schönfeld, der Graupa 1659 übernahm, das Gebäude. Unter Kurfürst Friedrich August II. wurde das Schloss 1755/56 zu einem Jagdsitz umgestaltet. Zu jener Zeit setzte sich auch der Name "Jagdschloss Raupenberg" durch. Bemerkenswert ist ein Sandsteinrelief über dem Eingang auf der Hofseite. Es zeigt ein Wildschwein, dass von vier Jagdhunden gehetzt wird. Auf der Süd-West-Seite legte man einen kleinen Teich an, zu dem von einer rechteckigen Terrasse aus eine Freitreppe führt. Der klassizistische Uhrturm gelangte erst 1839 auf das Dach.
Aus heutiger Sicht mutet das Jagdschloss Raupenberg eher klein und bescheiden an. Ein Vergleich mit den gewaltigen Jagdschlossanlagen in Moritzburg und Wermsdorf ist kaum möglich, erfüllte doch das Jagdschloss Raupenberg nicht die Funktion, die den anderen Anlagen zugedacht war. Wenn der Kurfürst hier zur Jagd weilte, übernachtete er stets im nahen Schloss Pillnitz, das mehr Annehmlichkeiten bot.
Auch das Jagdschloss Raupenberg blieb nicht von Zerstörungen verschont. 1800, nach einem Blitzschlag, brannte das Jagdschloss fast vollständig ab, wurde aber alsbald wieder aufgebaut. 75 Jahre später wütete erneut ein entsetzliches Feuer, dem eine Scheune am Jagdschloss sowie sechs Wirtschaften zum Opfer fielen.
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte Graupas war der Aufenthalt des Hofkapellmeisters Richard Wagner 1846. Zu dieser Zeit waren die glanzvollen Jagden des Kurfürsten bereits vorbei. Im Schloss wohnte seit 1831 nur noch der Königliche Forstmeister des Pillnitzer Reviers. So musste sich Wagner in einem Bauernhof gegenüber dem Schloss einquartieren. Eine 1933 geschaffene Büste und das Richard-Wagner-Museum im Bauernhaus, in dem Wagner wohnte, erinnern heute noch an seinen Aufenthalt, bei dem er die Musik zu "Lohengrin" entwarf. 2005 richtete man einen Richard-Wagner-Lehrpfad ein.
Im 20. Jahrhundert diente das Gelände Versuchs- und Forschungseinrichtungen der Forstwirtschaft. 1965 bezog die Gemeindeverwaltung das Schloss Graupa. Nach der Eingemeindung des Ortes nach Pirna im Jahr 1999 brauchte man den Verwaltungssitz nicht mehr. So steht das Schloss heute gut erhalten, aber nahezu unbeachtet im Ort und wartet auf eine sinnvolle Verwendung. Es ist geplant, dem Richard-Wagner-Museum darin eine Heimstatt zu geben. Neben der Erweiterung des Museums wird dort auch ein Saal für 120 Personen entstehen.
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Bildergalerie
Jagdschloss Raupenberg
Jagdszene über dem Eingang
www.historisches-sachsen.net
Stand: 01.11.2009