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Beschreibung
Mächtig und unbezwingbar steht Schloss Rochlitz seit der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts hoch über der Mulde. Seine Geschichte ist mit glanzvollen Namen deutscher Kaiser und Könige sowie sächsischer Kurfürsten verbunden.
Rochlitz bildete seit frühmittelalterlichen Zeiten eine Einheit zwischen Burg, Stadtentwicklung und der Muldelandschaft. Im Bestreben die Herrschaft des Reiches im Osten gegen die unterworfenen slawischen Stämme zu festigen, entstanden unter deutscher Herrschaft zahlreiche Burgwarde. Zu den befestigten Burgwardmittelpunkten gehörte auch Rochlitz. An strategisch wichtiger Stelle errichtet, entwickelte sich die Anlage als mehrteilige Burg auf einem Bergsporn des Rochlitzer Berges an der Zwickauer Mulde und erreichte im 11. Jahrhundert als salische Reichsburg einen ersten Höhepunkt.
Ihre Zeit als Reichsburg endete, als König Konrad III. 1143 dem Markgrafen Konrad von Meißen die Burg schenkte und diese so in wettinischen Besitz überging. Fortan sollte Rochlitz eng mit dem Aufstieg der Wettiner in Sachsen verbunden sein. Zur Residenz von Markgraf Wilhelm I. ausgebaut erhielt Rochlitz als Herrschaftsmittelpunkt politische Bedeutung. Umfangreiche Baumaßnahmen ließen zwischen 1360 und 1400 die beiden Türme mit Nord- und Westwehrgang, das Fürsten- und das Querhaus, die Kapelle sowie Mittel- und Obertor mit neuer Wegführung entstehen. Die beiden Türme sind über den geschlossenen Westwehrgang, von dem aus man den hinteren Eingangsbereich des Schlosses gut überwachen konnte, verbunden. Im Norden verbindet ein weiterer Wehrgang den Nordturm mit dem Fürstenhaus. Von hier lassen sich auch die am Turm befindlichen Einschusslöcher von Kanonenkugeln ausmachen, mit denen das Schloss im Dreißigjährigen Krieg beschossen wurde.
Eine Besonderheit stellt der Große Saal im Obergeschoss des Fürsten- und Querhauses dar. Dieser erstreckte sich winkelförmig über beide Baukörper. Trotz einer maximalen Längenausdehnung von ca. 40 m und einer Breite von fast 10 m kam er ohne tragende Mittelsäulen aus. Mit dem spätgotischen Umbau des Querhauses nach 1470 wurde der Saal auf das Fürstenhaus reduziert und verschwand schließlich 1588/89 zugunsten des neuen, im Renaissancestil gestalteten Wohnbereiches für Kurfürst Christian I. und seiner Gattin Sophie von Brandenburg.
So präsentiert sich uns heute eine wehrhafte Anlage, die durch steile Hänge geschützt ist. Eine durch Gräben gesicherte Vorburg war an der Ostseite der Kernburg vorgelagert. Über die Vorburg erreichte man das Querhaus mit dem östlichen Burgtor und der Schlosskapelle. An der Westseite führte eine Brücke zum zweiten Zugang. Ihn flankieren zwei Türme - Jupen genannt - die schon von weitem sichtbar sind und dem Schloss seinen unverwechselbaren Charakter verleihen. Der auf 142 Stufen besteigbare Turm zur Mulde hin heißt der Lichtverhältnisse wegen "Lichte Jupe". In 34 m Höhe eröffnet sich ein Blick weithin über die Zwickauer Mulde. Der Nordturm mit dem dunklen Dach - "Finstere Jupe" genannt - barg einst die Folterkammer mit einem Verlies.
Auf Wilhelm I. gehen auch die im östlichen Teil gelegenen Schlossflügel zurück. An das Querhaus über dem Burgtor schließt sich rechtwinklig das Fürstenhaus an. Große Säle nahmen die Hofgesellschaft bei Feierlichkeiten auf. Im Querhaus befanden sich die fürstlichen Wohnräume.
Zum Ende des 14. Jahrhunderts gehörte Schloss Rochlitz zu den bedeutendsten und modernsten Residenzen im mitteldeutschen Raum. Dabei erfuhr das Schloss niemals große Umgestaltungen oder Abbrüche. So ist es als ein Zeugnis der jahrhundertelangen Entwicklung von Bau- und Landesgeschichte erhalten geblieben.
Nochmalige bauliche Aktivitäten nach 1470 brachten der Schlosskapelle Veränderungen im spätgotischen Stil. Im Auftrag der wettinischen Fürsten Ernst und Albrecht verlieh der Hofbaumeister Arnold von Westfalen dem viel kleineren Vorgängerbau seine heutige Gestalt. Herzoginwitwe Amalia von Sachsen ließ die Wände mit Szenen aus dem Leben und dem Leidensweg Christi, Mariendarstellungen und Abbilder von Heiligen in Seccotechnik bemalen. Ehemals farbige Maßwerkfenster erhellten den hohen und mit einem Netzgewölbe gestalteten Kapellenraum. Von der Sängerempore erklangen bis zu 12-stimmige Motetten. Neben der Sängerempore verfolgte die fürstliche Familie den Gottesdienst in ihrer eigenen, mit einem Wappen geschmückten Loge. Die Räume im zweiten Obergeschoss des Querhauses erhielten Vorhangbogenfenster, Zellengewölbe und Sitznischen, die stark an die Albrechtsburg in Meißen erinnern.
Nachdem Markgraf Wilhelm I. kinderlos starb, fiel sein Teil der Mark Meißen an seinen Neffen Friedrich den Streitbare. Die Besuche der sächsischen Kurfürsten und Herzöge wurden seltener. Ende des 15. Jahrhunderts bauten die Wettiner Ernst und Albrecht das Schloss für ihre Schwester, Herzogin Amalia von Sachsen, Witwe Herzog Ludwigs von Bayern-Landshut, als Witwensitz aus. Von 1537 bis 1547 hatte Elisabeth von Sachsen hier ihren Witwensitz. Die Gemahlin des albertinischen Thronfolgers Herzog Johann von Sachsen, Schwiegertochter Herzog Georgs des Bärtigen und Schwester Landgraf Phillips des Großmütigen von Hessen führte gegen den erbitterten Widerstand ihres strenggläubigen Schwiegervaters im Amt Rochlitz die lutherische Reformation ein. Ende des 16. Jahrhunderts diente Rochlitz als Residenz für Sophie, Tochter des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, nachdem ihr Ehemann, Kurfürst Christian I. von Sachsen, 1591 starb.
Danach wurde es still um Rochlitz. Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg und neue Wohnvorstellungen im beginnenden Barock setzten dem Schloss arg zu. 1717 brach man die seit dem Dreißigjährigen Krieg gesicherte Ruine des Unterschlosses ab. Einzig die Funktion als Sitz von Amt und Gerichtsbarkeit blieben Schloss Rochlitz erhalten. Durch Umbauten im Fürsten- und Querhaus entstanden neue Diensträume für die Justiz. 1892 eröffnete das Museum, das mit einer kurzen Unterbrechung in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Einblicke in die Folterkammer, die Verliese, die Herzoginstube, die Schlosskapelle und die Burgküche bietet.
Das jetzige Schloss ist indessen nur die obere Hälfte einer ehemals weitläufigen Anlage. Bis 1632 bedeckte einen Teil des Hügels an der Petrikirche das tiefer gelegene und daher sogenannte untere Schloss, das bei einem Stadtbrand vernichtet wurde. So lässt die verbliebene Anlage heute erahnen, welch eindrucksvolles Ensemble die Burg bei ihrer größten Ausdehnung von etwa 160 Metern einst gewesen sein muss.
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Bildergalerie
Schloss Rochlitz
Schlosshof von Osten
"Finstere Jupe" und die "Lichte Jupe"
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Stand: 06.10.2013