Historisches Sachsen
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Beschreibung
Schloss Schönfeld an der Bundesstraße 98 bei Thiendorf ist sehr ungewöhnlich gestaltet: Die Fassaden sind vielfältig gegliedert und mit Bögen und Friesen verziert, Türme und Erker zeichnen ein schmuckvolles Ensemble, der große Turm mit einer mächtigen Rundkuppel wirkt gedrungen.
Höchstwahrscheinlich stand an der Stelle des heutigen Schlossensembles bereits vor 1216 eine Wasserburg. Deshalb ist dieser Standort schon seit langer Zeit zugleich Bodendenkmal. Die Wasserburg diente sicherlich dem Schutze der Hohen Straße.
Die erste Erwähnung des Edelsitzes Schönfeld erfolgte am 21. Januar 1216. Ein "Tammo de Sconevelt" war Zeuge bei der Übertragung des Landgutes "Zedele" (Zadel) mit allen Hufen im Dorfe und der "Kirche des heiligen Andreas" an das Kloster Altzella bei Nossen durch den Markgrafen Dietrich.
Für fast sieben Jahrzehnte fehlen die Quellen über Burg und Dorf Schönfeld. Möglich, dass sie bei den heftigen Kämpfen im Meißner Land in den Jahren 1292 bis 1318 verloren gingen. Im Jahre 1398 erhielt die Witwe Siegfried des Großen, Margaretha, einen Teil von der Schönfelder Herrschaft und ihr Bruder Johannes den anderen.
Nach Streitigkeiten zwischen dem Landgraf Friedrich dem Jüngeren und dem Ritter Walther von Köckritz zu Saathain fielen 1421 Schloss Schönfeld und die dazugehörigen Dörfer an den markgräflichen Lehnsherr. Damit war auch die Stammesherrschaft der Schönfelder auf Schloss Schönfeld erloschen. Es folgten die Familien "von Maltitz" und "von Miltitz" als Lehnsträger. Erstmals ist in dieser Zeit Schönfeld Sitz zweier Herren "Alten Theils" und "Neuen Theils" beurkundet. Diese Herrschaftsgliederung lässt sich auch heute noch aus den zwei getrennten Schlossteilen, dem Großen und dem Kleinen Schloss, ablesen.
Das Große Schloss besteht aus dem Hauptgebäude, dem großen Turm und dem Verbindungsbau, sowie dem Küchenflügel, dem kleinen Turm (Trinkertürmchen) und dem Wirtschaftsflügel. Die Gebäudeteile sind miteinander verbunden und gruppieren sich nordwestlich um den Schlosshof. Ihnen gegenüber befindet sich das Kleine Schloss, welches sich aus dem Hauptbau und den Remisen mit dem Wasserturm zusammensetzt. Der Hauptbau enthielt Wohnräume für die Schlossverwaltung und die Dienerschaft.
Die genaue Bauzeit der doppelten Schlossanlage ist unklar. Sie wurde aber bis 1590 in der Form der sächsischen Renaissance errichtet. Auffällig ist die Gliederung des großen Turms mit kräftigen Wandpfeilern und Arkadenbögen im oberen Geschoss. Der kleine Turm ist über einen achteckigen Grundriss angelegt.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselten häufig die Besitzer. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte Schönfeld der Familie von Sahla. Dann ging der Besitz durch Vermählung von Charlotte Sophia von Sahla mit Carl Friedrich von Erdmannsdorf an die Familie von Erdmannsdorf, die über mehrere Generationen Herren auf Schönfeld waren, über.
Eine Erweiterung und räumliche Ausstattung in den Stilformen der Neorenaissance erfuhr das Schloss unter Leitung des Architekten Gotthilf Ludwig Möckel in den Jahren 1882-84. Möckel griff die ehemals vorhandene vieltürmige Baugestalt des Schlosses auf und bereicherte das Schlossensemble architektonisch durch umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen. So fügte er im Auftrag von Karl Friedrich August Max Dathe, Freiherr von Burgk, Portale, Erker und den Turm am Kleinen Schloss hinzu.
Die Innenräume wurden den repräsentativen Bedürfnissen der Zeit angepasst. Im Hauptgebäude des Großen Schlosses machen hölzerne Kassettendecken die Besucher aufmerksam. Daneben prägen prachtvoll geschnitzte Türen und reich gedrechselte Geländer den Treppenaufgang.
Das Haupteingangsportal mit dem darüberliegenden Sandsteinbalkon befindet sich im Verbindungsbau. Sandsteingewände von zwei Türen des Verbindungsbaues tragen Verzierungen mit Motiven und Texten.
Das Schloss weist aber nicht nur architektonische Besonderheiten auf, sondern ist auch Gegenstand mancher Sagen, zu deren Entstehung wohl die eigentümliche Bauart Veranlassung gab. Eine Sage berichtet, dass im großen Turm des Schlosses des Nachts Kindergeschrei zu vernehmen sei und dann eine schwarz verschleierte Dame umhergehe. Dieses Spuks wegen habe auch das gesamte altteilische Schloss zwischen 1712 und 1817 leer gestanden. Als 1817 der Oberforstmeister von Erdmannsdorf den alten Teil wieder bewohnbar machen wollte, ersuchte ihn der langjährige Gärtner "einen Schatz zu heben", der in einer der kleinen Treppen vorborgen läge. Herr von Erdmannsdorf klopfte mit einem Hammer die Seitenwände ab und fand eine hohle Stelle. Nach dem Aufbrechen der Wand kam in einem kleinen Gewölbe ein Kindergerippe, das mit Eisen auf ein Brett geschmiedet war, zum Vorschein. Nachdem die Gebeine des Kindes aus dem steinernen Grab erlöst und in der Erde vergraben worden waren, war auch der Spuk beendet.
Neben dem Schloss ist aber auch der angrenzende Schlosspark sehenswert, der in den Jahren nach 1889 unter Leitung des "Königlichen Gartenbaudirektors" Max Bertram angelegt wurde. Es gelang ihm, die ungünstig zugeschnittene Fläche zu einer räumlich differenzierten Parkanlage zu gestalten.
In dem 6,7 Hektar großen Areal befinden sich 50 verschiedene Laub- und Nadelgehölze, z.B. die sehr seltene Bartram-Eiche, Platanen, Blutbuchen und Rhododendrenbestände. Zahlreiche Frühblüher, wie Buschwindröschen, Schneeglöckchen, Blau- und Milchstern bereichern die Parkanlage.
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Bildergalerie
Schloss Schönfeld
Schloss Schönfeld von der Hofseite
Festsaal
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Stand: 01.11.2009