Historisches Sachsen
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Buch "Schlösser & Burgen in Sachsen"   Buch "Burgenwanderung durch Sachsen"
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Empfehlung

Beschreibung
Durch die sich stetig entwickelnden Handelsverbindungen von Halle nach Böhmen entstand der Fernhandelsweg Böhmische Straße zum Transport von Salz und anderen Gütern. Eine Furt durch die Mulde bot sich als Zolleinnahmestelle und zur Überwachung des Handelsweges an. In diesem Zusammenhang wurde der Bau einer Burganlage auf einem strategisch günstigen Höhenzug hinter der Mulde vollzogen. Die mittelalterliche Wehranlage, die an dieser Muldefurt entstand, war eine der größten und am meisten befestigten im mittelsächsischen Raum und entwickelte sich zu einem Stützpunkt zur Kolonisierung des Erzgebirges. Das aus der Burg entstandene, am Rande des Grünfelder Parks gelegene Schloss, welches noch über das Untergeschoss des quadratischen Turmes aus dem 12. Jahrhundert verfügt, zählt zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Waldenburg westlich von Chemnitz. Viele Generationen waren an dem Bauwerk tätig, bis es in seiner jetzigen Form eine Vollendung fand.
1165-72 errichtete Hugo von Wartha eine Burg im Auftrag von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Hugo nannte sich fortan "von Waldenburg" und legte damit den Grundstein für eine neue Dynastie. Von Waldenburg aus kolonisierten die Herren das Erzgebirge und gründeten u.a. die Herrschaften Wolkenstein und Greifenstein.
Ihre Teilnahme an der Schellenberger Fehde beendeten die Waldenburger 1323 zwar durch einen Separatfrieden mit dem Markgrafen von Meißen, dennoch änderte dies nichts an ihrem Niedergang. Ende des 14. Jahrhunderts mussten sie ihre Herrschaft an die Schönburger verkaufen, die ihrerseits die Verwirklichung einer eigenen Landesherrschaft anstrebten.
Die Herren von Schönburg bestimmten jahrhundertelang die Geschichte in Südwestsachsen. Zu ihren Besitzungen gehörten neben Waldenburg auch Hartenstein, Glauchau, Lichtenstein, Penig, Rochsburg und Wechselburg. Bis in das 18. Jahrhundert hinein gelang es ihnen, eine verfassungsrechtliche Sonderstellung in Sachsen zu bewahren und eigene staatliche Strukturen zu entwickeln. Erst 1740 verzichteten die Schönburger auf die aus der Reichsunmittelbarkeit resultierenden Autonomierechte und traten ihre Landeshoheit an die Wettiner ab. Eine besondere Ehrung wurde dem Haus Schönburg jedoch zuteil, als Kaiser Leopold II. 1790 Otto Karl Friedrich Graf von Schönburg in den erblichen Reichsfürstenstand erhob.
Während einer Erstürmung der Burg und der Stadt zerstörten Hussiten im Jahre 1430 die Burg fast vollständig, doch Veit II. von Schönburg ließ an gleicher Stelle die Gebäude wieder errichten.
Nachdem 1519 ein Feuer die Burg erneut fast völlig zerstörte, entstand ein neues Schloss im Renaissancestil. Ihr Reichtum gestattete es den Schönburgern auch, Mitte des 16. Jahrhunderts neben der alten Anlage das vordere Schloss zu bauen. Somit existierten unmittelbar nebeneinander zwei Schlösser, bis 1619 ein Feuer im hinteren Schloss schwere Schäden anrichtete. Von dieser Schlossanlage ist lediglich ein Portal erhalten, welches man in den Grünfelder Park umsetzte. Die Ruine bauten die Waldenburger nicht wieder auf. Sie blieb noch viele Jahre wüst liegen. Erst Otto Karl Friedrich von Schönburg-Waldenburg ließ die hintere Schlossruine 1783 abtragen und den zwischen beiden Schlössern bestehenden Wallgraben zuschütten.
Im Zusammenhang mit der bürgerlichen Revolution setzten 1848 aufrührerische Bauern das Schloss in Brand. Ihr Protest richtete sich gegen die Gerichtswillkür des Fürsten und die finanziellen Lasten. 1853 wurde der Neubau mit dem stark beschädigten Bergfried in Angriff genommen. Das neue Schlossgebäude entstand von 1855-59 im englischen Tudorstil als dreigeschossige, kastellartige Vierflügelanlage nach Plänen des berühmten Baumeisters Carl Alexander von Heideloff und dem Architekten Eduard Pötsch. Die Innenräume gestaltete der Bauherr vorwiegend im Rokokostil.
Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss jedoch bei Umbauarbeiten in den Jahren 1909-12 durch Fürst Otto Viktor II. von Schönburg-Waldenburg. Unter der Leitung des Königlich Sächsischen Hofbaurates Gustav Frölich entstand ein mit modernsten Errungenschaften luxuriös ausgestattetes Gebäude mit vollständiger Elektrifizierung, Telefon und zentraler Dampfheizung. Die Überbauung des alten Innenhofes ergab eine großzügige Treppenhalle mit Oberlicht. Von ihrer oberen Galerie gelangt man zu den Festsälen. Besonders wertvoll sind der in Originalausstattung erhaltene Gelbe und Blaue Saal, das Chinesisches Zimmer, das Gobelinzimmer und das Spiegelzimmer. Der Gelbe Saal diente als Ballsaal. Im Blauen Saal traf man sich zu Konzerten. Stilvoll speisen konnte das Fürstenpaar im Chinesischen Zimmer, in dem die Wände noch heute mit chinesischer Seide bespannt sind. Um die höchste Qualität zu garantieren, verpflichtete Frölich nur Handwerker, die bereits am sächsischen Hof tätig geworden waren.
Nach der Enteignung von Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg eröffnete der Kreis Glauchau 1948 im Schloss eine Lungenheilstätte. Damit konnte nicht nur der geplante Abriss verhindert, sondern auch die Erhaltung des Gebäudes gesichert werden. Nach dem Auszug des Fachkrankenhauses 1998 sanierte der Landkreis das Schloss und öffnete es für Besichtigungen, Konzerte, Trauungen und festliche Veranstaltungen.
In ihrer heutigen Gestalt kann die ursprünglich reichsministeriale Burganlage nur einen kleinen Einblick in ihre einstige Bedeutung geben. Ihre Vielgliedrigkeit lässt eine dreiteilige Spornburg mit zwei Binnengräben und ovaler Wasserbefestigung im Tal vermuten, deren mittlerer Kern der noch heute sichtbare viereckige Turm bildete. Sein Unterbau ist in behauenen Quadern ausgeführt und schließt durch seine Mauerwerkstechnik auf die Gründungszeit von 1165-72. Beim letzten Neuaufbau wurde seine Höhe reduziert und der Wehrcharakter entstellt. Die östliche Spornspitze war bebauungsfrei. Auch wenn die mittelalterlichen Merkmale der Anlage nahezu vollständig verwischt sind, präsentiert sich uns doch ein Bauwerk von besonderer geschichtlicher Bedeutung, das in seiner Architektur einzigartig ist.

Park Grünfeld


Aber nicht nur das Schloss erfreut den Besucher mit seinem Prunk. Graf Otto Karl Friedrich von Schönburg-Waldenburg (1758-1800), der auf großer Kavalierstour u.a. Frankreich, Italien und England bereiste, war von den englischen Parkanlagen mit ihren bewusst gestalteten aber dennoch natürlich wirkenden Gartenflächen so begeistert, dass er 1780 begann, den über 100 Hektar großen Naturpark "Greenfield" im englischen Stil anzulegen. Dabei war das durch Bachläufe, Teiche und Waldhänge gegliederte Gelände hervorragend für seine Zwecke geeignet, waren doch nur wenige Eingriffe in die Natur notwendig. So entstand nur unweit des Schlosses eine Gartenlandschaft inmitten großer Wiesen, prächtiger Auenwälder und Alleen sowie zahlreicher Wasserflächen.
Die 1762 erschienene Arbeit des deutschen Kunsthistorikers Johann Joachim Winkelmann über Funde in Herculaneum und andere Publikationen weckten in Europa das Interesse für griechische und römische Kunstwerke. Die Antike erlebte eine Wiedergeburt. Der Klassizismus, der vorherrschende Stil um 1800 in der feudalen, bürgerlichen Architektur und Plastik, entwickelte sich aus dieser Vorliebe für Altertümer. Nach den Vorbildern in Wörlitz und Machern setzte auch Otto Friedrich von Schönburg seine Vorstellungen von der antiken Baukunst in der Grünfelder Parkanlage um. Einheimische Handwerker verstanden es, die vorhandenen Naturgegebenheiten mit den antiken Bauwerken kunstvoll zu verschmelzen. Die gärtnerischen Arbeiten besorgte J. B. Eichen aus Waldenburg.
Die Errichtung der Gebäude im klassizistischen Stil dauerte über 50 Jahre. Nach dem Tod des Grafen erweiterte sein Sohn Otto Viktor von Schönburg die Anlage. Zu den frühesten Gebäuden im Grünfelder Park gehört das Badehaus aus der Zeit des Frühklassizismus nach 1785. Um 1815 folgte das Mausoleum und um 1845 das Teehaus. Das vom hinteren Schloss in den Park umgesetzte Renaissanceportal weist mit seiner Inschrift "In stiller Naturfreude" auf die naturverbindenden Absichten des Fürsten hin.
Heute ist nur noch ein Teil der über 30 damals in die Landschaft eingefügten Kunstwerke und Bauten erhalten. Dennoch zählt der Park Grünfeld zu den frühesten und bedeutendsten englischen Parkanlagen Deutschlands und bietet den Besuchern Waldenburgs Erholung in stiller Natur.
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Stand: 01.11.2009