Historisches Sachsen
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Beschreibung
Der als Stadt erstmals bei Thietmar von Merseburg genannte Ort Groitzsch, zwischen den kleinen Flüssen Schwennigke und Schnauder gelegen, entwickelte sich planmäßig im Schutz einer Burg, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Holz-Erde-Bauweise als Mittelpunkt eines Burgwards entstand. 1073 fiel dem aus der Altmark kommenden Wiprecht durch Tausch mit Udo II. von Stade die Burg zu. Die Burg wurde um 1085 großzügig durch die Errichtung von zwei steinernen Türmen und einer Rundkapelle ausgebaut und gehörte um 1100 zu den größten Sachsens.
Wiprecht war aber nicht nur der Erbauer einer der bedeutendsten Wehranlagen dieser Zeit, sondern auch in diplomatischen Dingen bewandert. 1084 heiratete er Judith, die Tochter des mächtigen Böhmenherzogs Vratislav, und sicherte sich damit neue Ländereien im Dresdener Elbtal und um Bautzen als Mitgift. Zugleich konnte er sich mächtiger Verbündeter für seine politischen Pläne sicher sein.
Als 1135 das Haus Groitzsch im Mannesstamme ausstarb, verfügte Kaiser Lothar III. den Heimfall der Herrschaft an das Reich. Durch eine weibliche Erbfolge gelangte Groitzsch jedoch an Dedo von Wettin. Daneben gründete Kaiser Konrad III. eine Reichsburgschaft, die zur Teilung der Burg führte.
Mit dem Aussterben der Groitzscher Linie der Wettiner provozierte Dietrich der Bedrängte durch die Stadtgründung einen bewaffneten Konflikt mit dem Abt von Pegau. In der Folgezeit führten weitere Auseinandersetzungen um die Burg zur Zerstörung der Vorburg (1223) und schließlich zur Belagerung der Burg mit ihrer Zerstörung durch Albrecht von Habsburg 1306.
Bis zu ihrer Zerstörung war die Wiprechtsburg Zentrum eines ausgedehnten Herrschaftsgebietes, das sich bis nach Leisnig und Dornburg erstreckte. Aus der Ruine an der Straße nach Pegau entnahmen die Groitzscher im 15. und 16. Jahrhundert ihr Baumaterial. So überdauerten von der Wiprechtsburg auf dem Groitzscher Berg nur noch Reste eines runden Wohnturms und einer romanischen Rundkapelle, die mit den böhmischen Rundkirchen verwandt ist. Diese Besonderheit geht auf Wiprechts Gemahlin Judith zurück, der Tochter König Vratislavs von Böhmen.
1849 waren die alten Gemäuer wiederentdeckt worden. Die Freilegung erfolgte 1959-66 durch Herbert Küas. Archäologische Untersuchungen wiesen fünf Bauperioden nach. In der Mitte des 10. Jahrhunderts bestimmte ein Burgwall die Anlage. Ihre Spornlage schützte die Burg an drei Seiten. An der Angriffsseite gegen Osten wurde eine Mauer aus Holz und Erde erbaut und gegen Ende des 10. Jahrhunderts verstärkt. In der III. Bauperiode unter Wiprecht von Groitzsch fügte man zwei Rundtürme und eine Rundkapelle als erste Steinbauten hinzu. Nach 1135 entwickelte sich eine Burgteilung durch die Reichsburggrafen einerseits und die wettinische Erbfolge andererseits. Diese IV. Bauperiode schloss mit der Zerstörung der Vorburg durch Landgraf Ludwig IV. von Thüringen ab. Die letzte Bauperiode ist gekennzeichnet vom Wiederaufbau der Kernburg und der Beendigung der Unterteilung. Mit der Zerstörung der Burg 1306 endete schließlich ihre Aufgabe.
Um die rekonstruierte Anlage, die zu einer Freilichtbühne ausgebaut worden ist, führt ein begehbarer Wall - höchster Punkt des zum Erholungspark ausgebauten Gesamtareals. Sehenswert ist auch die Wegesäulen-Ausstellung, die sich um einen Teil der Bühne legt.
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Bildergalerie
Rundkapelle
Fundamentrest des Rundturmes
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Stand: 01.11.2009