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Beschreibung
Großpösna, nur wenige Kilometer südöstlich von Leipzig, besitzt ein vorbildlich saniertes Rittergut. Nachdem 1998 schon ein Bürger- und Informationszentrum im ehemaligen Kuhstall eingerichtet werden konnte, zog nach der denkmalgerechten Sanierung des Herrenhauses auch die Gemeindeverwaltung in den Rittergutskomplex ein.
Ein Herrensitz ist in Großpösna mit Wolferus de Pessene bereits seit dem Ende des 12. Jahrhunderts überliefert. Nachfolgend gestaltete die uradelige Familie von Pflugk die Geschicke des Ortes auf lange Zeit. So werden noch 1529 Thamm und Hans Pflugk im Besitz von Großpösna genannt. 1594 ging das Anwesen an Johann Christoph Braun, Professor der Medizin an der Universität Leipzig, unter dem das Gut 1606 zum Rittergut erhoben wurde. Das Rittergut gelangte 1659 an Christoph Mühlbach. Der Müllerssohn aus Krebs bei Pirna heiratete 1654 Johanna Barwasser, Tochter des Leipziger Goldschmieds Tilman Barwasser, und stieg 1637 zum Postmeister von Leipzig auf. Für seine Verdienste um das sächsische Postwesen wurde Mühlbach 1669 von Kaiser Leopold I. in den Reichsadel erhoben und mit dem Titel "Kaiserlicher und Römischer Reichspostmeister" ausgezeichnet. 1660 ließ Christoph Mühlbach ein neues Herrenhaus erbauen und richtete auch die Wirtschaftsgebäude neu ein. Über seine Tochter Barbara Elisabeth gelangte Großpösna 1735 an Ludwig Albrecht von Peine, dem wiederum mehrere Besitzer nachfolgten. Im 18. Jahrhundert erhielt das Herrenhaus auch seine barocke Gestalt mit dem abgewalmten Mansarddach.
Schließlich kaufte 1851 der Färbereibesitzer Philipp Theodor Zürcher aus Annaberg das Gut und ließ das Herrenhaus modernisieren. Dabei erfolgte auch der Einbau der klassizistischen Portale aus Rochlitzer Porphyr. Später gehörte das Gut dem Abgeordneten Johann Gottfried Dietze auf Pomßen, der im Landtag die Rittergutsbesitzer des Leipziger Kreises vertrat. Dietze ließ das neu erworbene Anwesen als Vorwerk von seinem Gut in Pomßen bewirtschaften. Von der Bodenreform war Clara Refardt betroffen, deren Ehemann das Gut Großpösna Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst gepachtet und später infolge einer Zwangsvollstreckung gekauft hatte. Während das Herrenhaus weiterhin als Wohngebäude und später als Gemeinde- und Vereinshaus genutzt wurde, übergab man das Rittergut der Universität Leipzig als Lehr- und Versuchsgut. Der Landwirtschaftsbetriebes wurde jedoch 1993 eingestellt.
Das Herrenhaus ist heute Bestandteil der historischen Ortskernbebauung. In der großen, offenen und unregelmäßigen Gutsanlage befinden sich neben dem Herrenhaus auch noch ehemalige Wirtschaftsgebäude, wie der zwischenzeitlich zum Bürger- und Vereinshaus umgebaute Kuhstall. Das Herrenhaus selbst stellt sich als schlichter, zweigeschossiger Putzbau mit farblich abgesetzten Putzbändern, Faschen und zwei schönen Portalen aus Rochlitzer Porphyr dar. Der Buchstabe "R" in beiden Portalen, erinnert an die letzte Besitzerfamilie Refardt. Über dem rechten Portal befindet sich zudem ein Wappen. Das Mansardwalmdach lockern mehrere Gauben auf.
| Wallanlage "Altes Schloss" |
Wer tiefer in die Historie von Großpöna eindringen will, dem bietet sich im "Oberholz" die Möglichkeit dazu. Nur knapp 2 Kilometer vom Herrenhaus entfernt befindet sich die Wallanlage "Altes Schloss" im Waldgebiet Oberholz von Großpösna. Bei dem "Alten Schloss" handelt es sich um die Reste einer mittelalterlichen Burg, von der ein kreisrunder Graben und ein flacher Erdhügel mit einem Durchmesser von etwa 20 Meter erhalten geblieben sind. Eine Informationstafel gibt Auskunft über das historische Geschehen.
Anhand archäologischer Funde geht man davon aus, dass das Gelände um das "Alte Schloss" bereits um 800 v. Chr. besiedelt war. Wer die Burg errichtet hat, ist nicht bekannt. Möglicherweise gehörte sie um 1200 aber Wolferus de Pessene, der zu dieser Zeit erstmalig genannt wurde. Die Turmhügelburg ist gut 100 Jahre später zerstört worden, denn bei Grabungen um 1900 fand man Steinmauern mit Brandspuren, verbrannten Lehm und Gefäßscherben aus dem 14. Jahrhundert. |
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| Bildergalerie |
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| Herrenhaus Großpösna |
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| Wallanlage "Altes Schloss" |
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