Historisches Sachsen
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Mölbis   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Heute sieht alles sehr idyllisch aus: Wer die 160 Stufen auf den 33 Meter hohen Aussichtsturm auf der Trageser Hochhalde besteigt hat einen unverbauten Rundblick auf das entstehende Leipziger Neuseenland, die Silhuette von Leipzig im Hintergrund und die Ortschaft Mölbis vor sich liegen. Die Halde Trages entstand ab 1938 aus Aufschlussmassen des Tagesbaues Espenhain. Die maximale Höhe des Plateaus über der Haldenumgebung beträgt 66 Meter bzw. 231 Meter über NN. Über die Halde führt ein 1999 eröffneter, etwa zehn Kilometer langer und mit verschiedenen Aussichtspunkten sowie Informationstafeln versehener Rundweg. Doch das heutige Erholungsgebiet erinnert auch an die dunkle Seite des Tagesbaues. Lange galt Mölbis, nur wenige Kilometer neben dem Tagebau Espenhain gelegen, als das "schmutzigste Dorf Europas". Rauch und Schwelgase vom nur einen Kilometer entfernten Braunkohleverarbeitungswerk Espenhain zogen in den Ort und verpesteten die Luft. Gesundheitliche Schäden der Einwohner waren die Folge. Erst mit dem Betriebsende des Tagebaus 1996 konnten die Einwohner aufatmen. Das Dorf wurde mit großem Aufwand saniert und die Tagebauflächen der Umgebung rekultiviert. Zur Erinnerung an die jahrelang geduldeten Umweltschäden öffnete 1997 in der ehemaligen Orangerie des Rittergutes Mölbis ein Umweltgeschichtliches Zentrum.
Die Orangerie ist auch das einzige Bauwerk, dass noch vom ehemaligen Rittergut Mölbis übrig geblieben ist. Dabei hat Mölbis eine lange geschichtliche Entwicklung genommen. Mölbis gehört zu den älteren slawischen Siedlungen der Gegend und ist seit 1230 als Herrensitz eines Hermannus de Melebuz und 1350 als Allodium belegt. Überlieferte Quellen weisen Georg von Haugwitz 1574 aus dem weit verzweigten meißnischen Adelsgeschlecht als Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf Mölbis aus. Die von Starschedel, die 1577 das Rittergut von Georg von Haugwitz gekauft hatten, haben das Rittergut fast 100 Jahre im Familienbesitz gehabt und veräußerten es erst 1669 an den kurfürstlich-sächsischen Kammerherrn Wolf Hildebrand von Gustedt. Durch Heirat seiner Tochter Ursula von Gustedt gelange Mölbis an Christoph Dietrich Bose d.Ä. Bose war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Unterfrankleben, Nickern und Mölbis sowie königlich-polnischer und kursächsischer Geheimer Rat, Kriegsrat und Generalkriegskommissar aus dem sächsischen Uradelsgeschlecht derer von Bose, das bei der Schreibung seines Namens bewusst auf die Verwendung des Adelsprädikats verzichtete. Sein Sohn, der königlich-polnische und kurfürstlich-sächsische General der Infanterie sowie Gouverneur der Stadt und Festung Wittenberg, Adam Heinrich Bose, ließ um 1715 auch das barocke Schloss, die Orangerie und eine Parkanlage im französischem Stil errichten. Das nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissene Schloss wies starke Ähnlichkeiten mit dem Schloss Otterwisch auf. Sein Mitteltrakt mit dem reich geschmückten Schlossportal der Dreiflügelanlage war durch einen dreigeschossigen Mittelrisalit im ansonsten zweigeschossigen Schloss betont. Der Mittelrisalit besaß ein eigenes Dach, welches elegant in das Mansarddach der Schlossanlage mündete. Das Schloss stand ursprünglich unmittelbar neben der Kirche und war mit dieser durch einen Gang verbunden.
1790, nach über 100 Jahren, ging das Rittergut der Familie Bose verloren, als Carl Adam Heinrich Bose das Gut an den Advokat Wilhelm Conrad Lange aus Leipzig verkaufte. Ihm folgten der Amtshauptmann Ernst August von Wilke, Geheimrat Leopold Friedrich von Goerne, Rittmeister Christian Adolf von Hopfgarten und der preußische Leutnant a. D. Joachim Friedrich Gustav Brandt von Lindau. Unter der Familie Wünning erhielt die Orangerie im späten 19. Jahrhundert offensichtlich eine neubarocke Überformung. Vom Leipziger Architekten Alfred Rudolf Stentzler, der 1929 das Gut erwarb, gingen Gut und Schloss 1932 an dessen Ehefrau Flora Stentzler über, die es 1937 an die Aktiengesellschaft Sächsische Werke zur Errichtung des Braunkohleveredlungswerkes und Kraftwerkes Espenhain verkaufen musste.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges fielen im Dorf zahlreiche Bomben und zogen auch das Schloss in Mitleidenschaft. Obwohl das Schloss noch bewohnbar war, wurde es aus ideologischen Gründen abgerissen. Nur die Orangerie des Ritterguts ist erhalten geblieben und bis in die 1970er Jahre als Turnhalle der Grundschule sowie im oberen Teil als Wohnung genutzt worden. Nach Jahren des Leerstandes begann 1996 eine denkmalgerechte Sanierung und ein Jahr später die Einweihung des Umweltgeschichtlichen Informationszentrums mit einer Dauerausstellung über die enorme Umweltverschmutzung durch den Braunkohletagebau und die Kohlechemie in Espenhain, aber auch über die von Mölbis ausgehenden Umweltproteste in den 1980er Jahren und den hoffnungsvollen Wandel des Dorfes nach der Stilllegung des Werkes. Heute wird der Saal für öffentliche Veranstaltungen des Ortes genutzt. Der eingeschossige Massivbau mit Putzfassade erhebt sich über einem Bruchsteinsockel mit Gliederungselementen, die teilweise in Sandstein ausgeführt sind. Auf der nach Süden gerichteten Parkseite öffnet sich das Gebäude mit vier großen Fenstern. Darüber erhebt sich ein mit Schiefer gedecktes Mansarddach mit Holztraufe und mittig angeordnetem, reich gegliedertem Zwerchhaus sowie zwei neobarocken Dacherkern. Auf der nach Norden gerichteten Straßenseite ist zentral ein Treppenhausrisalit angeordnet. Südlich der Orangerie sind noch Reste des Rittergutsparks erhalten.

Rundwanderung " Halde Trages"
Die "Halde Trages" ist ein 66 Meter hoher, künstlich aufgeschütteter und plateauartiger Hügel, der beim Aufschluss des Tagebaus Espenhain entstand. Seinen Namen erhielt er nach dem benachbarten Dorf Trages. Mit dem Aufschluss des Tagebaus Espenhain 1937 mussten die ausgehobenen Abraummassen untergebracht werden. Sie wurden in den Folgejahren mit Zügen in das Gebiet um Trages gefahren und dort mit zwei Großabsetzern verteilt. Bereits 1950 begannen auf dem Plateau Aufforstungsarbeiten, die mit Unterbrechungen bis in die 1970er Jahre andauerten. Mit der Stilllegung der Kohleveredelung nach der Wende verbesserten sich auch die Umweltbedingungen und die Halde konnte touristisch erschlossen werden. Das Ergebnis war 1999 die Eröffnung eines Rundweges mit verschiedenen Aussichtspunkten, zahlreichen Erläuterungstafeln, Erinnerungsstücken an den früheren Bergbau, Rastplätzen und einer Schutzhütte. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH errichtete 2002 zudem auf dem Plateaus einen 33 Meter hohen Aussichtsturm mit Rundumsichten bis ins Erzgebirge und nach Leipzig. Die "Halde Trages" wurde vom Abraumhügel zum Erholungsgebiet. Ihr Zugang erfolgt unmittelbar an der Orangerie in Mölbis. Für eine Rundwanderung auf dem markierten Weg muss man ca. 3 Stunden einplanen.

 
Bildergalerie
Orangerie Mölbis
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