Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Zöbigker   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Noch bis in die 1990er Jahren sah es schlecht aus für das Schloss Zöbigker. Weil das Rittergut am Rande eines Braunkohletagebaus lag, wurde die Bausubstanz nicht gepflegt und verfiel. Mit dem Aufschluss des Tagebaus Cospuden, einem Abzweig vom Tagebau Zwenkau, sollte in der DDR eine maximale Nutzung der heimischen Braunkohle angestrebt werden. Sein Aufschluss machte aber nicht nur die Überbaggerung der land- und forstwirtschaftlich genutzten Elsterauenlandschaft erforderlich, sondern führte u.a. auch zur Devastierung des bereits 1974 ausgesiedelten und namensgebenden Ortes Cospuden und des ehemaligen Rittergutes Lauer. Bereits die Verantwortlichen in der DDR planten wegen der Lage am Stadtrand von Leipzig eine Wasserfüllung des Restloches und die Schaffung von Freizeitangeboten nach dem Ende der Kohleförderung. An dieser Idee wurde auch nach dem vorzeitigen Ende der Braunkohleförderung festgehalten. Unmittelbar nach Stilllegung des Tagebaus 1992 begannen die Arbeiten zur Flutung des Tagebaurestloches und damit auch die Rekultivierung um den neu entstandenen Cospudener See mit Naherholungsgebiet, Strand und Landschaftspark. Auch das Schloss Zöbigker wurde zu einer Eigentumswohnanlage umgebaut und um das Schloss herum entwickelte sich ein attraktives Wohngebiet. Zudem befindet sich in Zöbigker ein Zugang zum See.
Die Anfänge von Zöbigker gehen auf altsorbische Dorfgründungen des 7. bis 9. Jahrhunderts zwischen Elbe und Saale zurück. Nachweislich erster Besitzer des Ritterguts Zöbigker von 1349 bis zu seinem Tod 1376 war Dam (oder Thamm) von Pflugk, Rat am Hofe des Markgrafen von Meißen, dessen Familie auch Gautzsch, Großzschocher und Knauthain besaß. Der Ort selbst wurde erstmals im Jahr 1378 als Czebeker bzw. Czebekor erwähnt. Als der Besitzer von Prödel im Mannesstamm 1378 ausstarb, ging dieses Lehen auf Dams Sohn Siegmund über. Zöbigker, das ursprünglich ein Vorwerk von Prödel war, avancierte schließlich zum Rittersitz und Prödel wurde zum Vorwerk. Nachdem die Familie von Pflugk das Anwesen im 16. Jahrhundert veräußert hatte, gelangte es über Martin von der Jahne, der Familie von Gehofen und Otto von Dieskau auf Knauthain 1687 an Friedrich Wilhelm von Marschall, einem Verwandten der Familie von Dieskau. Friedrich Wilhelm Marschall ließ auf rechteckigem Grund ein neues Herrenhaus mit Walmdach aufbauen. Da das Gebäude vollständig von einem Wallgraben umgeben war, ruhte es auf einer Holzkonstruktion. Mehrere Brücken führten auf die Insel. Doch Friedrich Wilhelm von Marschall hatte sich mit dem Bau übernommen und musste Konkurs anmelden.
So kaufte am 31. Mai 1714 Johann Jakob Kees der Jüngere, dessen Familie aus der freien Reichsstadt Lindau am Bodensee stammte, das Gut. Sein Vater, Johann Jacob Kees der Ältere, war um 1662 nach Leipzig gekommen und machte im Handelshaus seines Onkels erfolgreich Geschäfte. Inspiriert von dem besseren Post- und Verkehrswesen der Schweiz und Italiens pachtete er 1691 die kursächsische Post. Nach dem Tode seines Vaters 1705 wurde Johann Jakob Kees der Jüngere Oberpostmeister. Den Kauf des Herrenhauses Zöbigker finanzierte er durch eine hohe Entschädigung, die er nach der Verstaatlichung der Post 1712 bekommen hatte. Johann Jakob Kees entwickelte nach seinem Neuerwerb eine rege Bautätigkeit und ließ das Herrenhaus und den Park in den Jahren 1716 bis 1724 im Stile des Leipziger Barock umgestalten. Um das Herrenhaus herum entstand der zur damaligen Zeit berühmte Garten mit geometrisch gegliederten Alleen und Kanälen sowie barocken Sandsteinfiguren. Die Gestaltung wird David Schatz zugeschrieben. Im 19. Jahrhundert erfuhr der Barockgarten eine Umgestaltung zum englischen Landschaftspark.
In den 1830er Jahren veranlasste Dr. Karl Jakob Kees, der das Gut 1831 geerbte hatte, wohl unter Beteiligung des Leipziger Architekten Albert Geutebrück den Umbau des Herrenhauses zu einem Schloss im Stil des Klassizismus. Dabei wurde das Mansarddach abgetragen und durch ein Mezzaningeschoss mit Walmdach ersetzt. Bei einem weiteren Umbau 1898 kamen der halbrund hervortretende Treppenturm mit Kuppelbekrönung an der Hofseite sowie eine neue Fassadengliederung hinzu. Obwohl das äußerst leistungsstarke Rittergut über die besten Äcker im Ort verfügte, musste Dr. Paul Jakob Kees 1925 das bis dahin im Familienbesitz befindliche Gut an die Aktiengesellschaft Sächsische Werke Dresden für den Kohleabbau verkaufen. Kees behielt von den einst 400 Hektar nur ein 61 Hektar großes Restgut sowie das Schloss. Der Kaufpreis von zwei Millionen Mark ermöglichte ihm jedoch 1929/30 eine weitere Umgestaltung des Hauses, bei dem das Gebäude wieder in den barocken Zustand zurückversetzt wurde. Der Architekt Paul Schultze-Naumburg ersetzte dabei das Mezzaningeschoss unter Beibehaltung des Treppenturmes durch ein Mansardgeschoss.
Die Familie Kees wohnte bis zu ihrer Enteignung im Zuge der Bodenreform 1945 im Herrenhaus. Danach dienten Teile des Schlosses als Wohnungen und ab 1953 war im Schloss eine Schule untergebracht. Auch das vornehme neobarocke Pächterhaus unmittelbar daneben diente als Berufsschule für Kürschner. Leider wurde die Bausubstanz in den Nachfolgejahren nicht ausreichend gepflegt. Zudem führte der Kohleabbau, dem bereits Teile des Schlossparks zum Opfer fielen, zu Beschädigungen der Bausubstanz, so dass das Schloss schon verloren schien. Doch die Wende in der DDR änderte vieles. 2001 begann man die Wirtschaftsgebäude der Hofanlage in Reihenhäuser umzubauen. Im Schloss entstanden hochwertige Eigentumswohnungen. So verwandelte sich der zweigeschossige Putzbau mit neobarocker Fassadengliederung und Mansardwalmdach in ein Schmuckstück des Ortes. Der aus der Flucht hervorspringende, halbrunde Treppenturm mit Rundbogenfenstern, ionischen Kolossalpilastern im Obergeschoss und Kuppel belebt die ehemalige Hofseite des Hauses. Auf der Gartenseite ist ein dreiachsiger Mittelrisalit mit Freitreppe, Dreiecksgiebel und Wappenrelief ausgebildet. Im Innern beeindruckt das Treppenhaus mit Marmorsäulen und Stuckdecken. Doch leider hat die Umnutzung des Gebäudes auch erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz mit sich gebracht. So besetzen das Mansarddach übergroße Dachhäuser und nachträglich angefügte Balkone entstellen die historische Gartenfassade.
 
Bildergalerie
Schloss Zöbigker
www.historisches-sachsen.net