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Beschreibung
In einer der schönsten Urlaubsregionen Sachsens mit bewaldetem bergigem Umland stehen in einem Waldstück oberhalb der Straße von Lückendorf nach Zittau gut versteckt die spärlichen Reste der einstigen Burg Karlsfried. Wenngleich die Ruinen heute nur noch unbedeutend erscheinen, so war der Karlsfried in seiner Blütezeit doch ein respektabler Bau mit zwei festen Gebäuden und zwei Türmen.
Die Vergangenheit von Lückendorf ist geprägt vom Verlauf einer der ältesten Handelsstraßen Europas, der alten Gabler Straße von Zittau über den Pass durch Lückendorf zur böhmischen Grenze. Die Lückendorfer leisteten an der vorbeiführenden Gabler Handelsstraße für die Fuhrwerke der Handelsleute Vorspanndienste bis zur Passhöhe.
1357 ließ Kaiser Karl IV. an der Fernverbindung zwischen Nord und Süd die alte Burg "Neuhaus" bauen. Ihre Bestimmung lag in der Errichtung einer Zollstätte und des Sitzes des Landvogts. Die Aufgabe der unter dem Kommando eines Burghauptmanns stehenden Schutzmannschaft war es, Passanten gegen Zahlung eines Geleitzolls auf der unwirtlichen Straße bis nach Gabel zu begleiten sowie Brücken- und Pflasterzoll zu erheben.
1364 wurde die Burg mit der Landvogtei und dem Zoll für 300 Schock Groschen an die Stadt Zittau verpachtet. Mit der Verpachtung einher gingen aber auch wesentliche Pflichten. So musste die Stadt das Kaiserhaus, den Oybin und den Karlsfried mit Mannschaften besetzt halten und diese aus eigenen Mitteln beköstigen und bezahlen. Keine leichte Aufgabe, denn nicht immer reichte der Ertrag aus den Zöllen hierzu aus, so dass die Stadt gezwungen war, eigene Gelder zuzuschießen.
Doch die Hussitenkriege verschonten auch den Karlsfried nicht. Nach einem missglückten ersten Angriff folgte ein zweiter, wesentlich stärkerer, der zur Einnahme der Burg durch die Hussiten führte. 1424 brannte man die Burg nieder und zerstört sie. Aber schon ein Jahr später war sie wieder in der Hand der Zittauer. Kaiser Sigismund ließ die Burg neu aufbauen und verstärken. Nach dem Ende der Hussitenkriege diente die Burg wieder als Zoll- und Geleitstätte.
Mit dem Übergang der Burg in die Hände des Johann von Wartenberg 1439 begann eine persönliche Fehde des neuen Burgherren gegen die Stadt Zittau. Der Karlsfried bot den Wartenbergern einen idealen Standort, um den Handel zu beeinträchtigen. So sank der Karlsfried zu einem berüchtigten Raubnest herab und die einst so belebte Handelsstraße geriet in Verruf. Schließlich rüsteten die Sechsstädte gegen den Karlsfried. Doch zu einem Kampf kam es nicht, da Johann von Wartenberg die Burg verkaufte. Sie wurde im Jahre 1442 geschleift. 1690 brach man auch noch die verbliebenen Reste der einst stolzen Burg ab und verwandte sie in ein billiges Baumateriallager für die Errichtung der Lückendorfer Kirche.
Der Karlsfried ist als später Burgenbau als Ablösung des Oybins entstanden. Mit der Pacht durch die Stadt Zittau 1364 löste der Karlsfried als Sitz eines Landvogts den Oybin in der militärischen und verwaltungstechnischen Funktion ab. Gleichzeitig konnte der Oybin entfestigt und ein Kloster installiert werden.
Rekonstruktionsversuche zeigen eine typische kleine Verwaltungs- und Straßenburg des 14. Jahrhunderts, deren Ausmaße die Größe der Felsen bestimmte. Während seines fast einhundertjährigen Bestehens diente der Karlsfried immer dem Straßenschutz und der Zollerhebung, weniger dem herrschaftlichen Wohnen oder gar der Repräsentation.
Die Gipfelburg bestand einst aus zwei rechtwinklig angeordneten Gebäuden und einem rechteckigen Turm im Hauptkern der Anlage. In einer Ausbuchtung befand sich der Burghof, der südöstlich und nordwestlich von hohen Mauern umschlossen war. An die Mauer des unteren Burghofes schloss sich eine weitere Mauer an, welche direkt zur Straße und zu dem dort vorhandenen verschließbaren Tor führte. Auf der anderen Straßenseite zwang ein Wall die Fuhrleute, den Bereich vor der Burg zu passieren. Im Süden sicherten ein zweiter Turm und wallartige Aufschüttungen die Felsengruppe ab.
Durch die Zerstörung der Burg und die Freigabe als Baumaterialspender sind heute nur noch geringe Reste sichtbar. Überwachsungen und Wurzeln haben das Bild weiter verwischt. Dennoch lädt der Karlsfried den Besucher zu einer Rast in idyllischer Lage ein.
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Burgruine Karlsfried
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Stand: 01.11.2009