Historisches Sachsen
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DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

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Beschreibung
Kittlitz, nur wenige Kilometer nordöstlich von Löbau gelegen, ist ein sehr alter Ort. Bereits im 10. Jahrhundert existierte hier eine slawische Burg, die von den Herren von Kittlitz übernommen wurde. Die erste Nennung des zum Uradel der Oberlausitz gehörenden Geschlechts datiert aus dem Jahre 1160. Aus dem Adelsgeschlecht von Kittlitz gingen mit Dietrich und Johann zwei Bischöfe von Meißen aber auch Landvögte der Ober- und Niederlausitz hervor.
Kittlitz galt im 13. und früher 14. Jahrhundert als bevorrechtigte Herrschaft und hatte eine eigene Obergerichtsbarkeit sowie die Freiheit von allen landesherrlichen Steuern. Doch in unmittelbarer Nähe gedieh nach 1215 die Stadt Löbau, die einen weiteren Aufstieg derer von Kittlitz verhinderte. Als Heinrich von Kittlitz Mitte des 14. Jahrhunderts sein Anwesen an Otto von Nostitz verkaufte, scheinen die Vorrechte, die Kittlitz bisher als Herrschaft genoss, erloschen zu sein. Kittlitz sank zu einem einfachen Rittersitz herab.
In der weiteren Folge übernahmen die Herren von Gersdorff den Besitz. Dieses weit verbreitete Oberlausitzer Uradelsgeschlecht erschien urkundlich erstmalig 1301. Ihr Stammhaus befindet sich in Gersdorf bei Görlitz. Die Herren von Gersdorff hatten sich im Laufe der Jahre einen beträchtlichen Grundbesitz angeeignet und gehörten zu den wohlhabendsten Adelsfamilien. Aus der Familie gingen bedeutende Gelehrte und Minister hervor. Freiherr Nicol von Gersdorff war Landvogt der Oberlausitz. Seine Frau Henriette Katharina Freifrau von Gersdorff, geborene von Friesen, zog ihren Enkel Graf Ludwig Nikolaus von Zinzendorf auf und schuf durch großzügige Stiftungen die Grundlage für die Herrnhuter Brüdergemeinde.
1750 verkaufte Hans Sigismund von Gersdorff den Hof Niederkittlitz an Carl Gotthelf von Hundt und Alten-Grottkau, dessen Familie bereits Jahre zuvor das Gut Oberkittlitz in ihren Besitz gebracht hatte. Carl Gotthelf von Hund und Alten-Grottkau war einer der führenden Freimaurer des 18. Jahrhunderts. 1743 wurde er zum Tempelherren und Heermeister der Provinz Niederdeutschland ernannt und wenig später zum "Ritter vom Degen". Schließlich avancierte er zum Oberhaupt aller deutschen Freimaurerlogen. Doch die Begeisterung für die Freimaurerei kostete auch viel Geld. So musste der adlige Herr bald einen Großteil seiner Güter verkaufen, darunter auch 1769 Kittlitz. Sieben Jahre später starb der berühmte Freimaurer mittellos und verschuldet.
Geblieben ist das Schloss in Kittlitz, das vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Carl Gotthelf von Hundt und Alten-Grottkau entstand. Aus dem zweigeschossigen Bau mit aufwändig gestaltetem Mansarddach tritt mittig ein mächtiger Dachaufbau hervor. Der als "Oktogon" bezeichnete Dachaufbau kündet von der Freimaurertätigkeit seines Besitzers. Er enthält einen quer durch das Gebäude führenden Saal, in dem Carl Gotthelf von Hundt und Alten-Grottkau Logensitzungen mit seinen freimaurerischen Brüdern abhielt.
Nach dem Tod Carl Gotthelf von Hundt und Alten-Grottkau gelangte das Gut an verschiedene Familien bis 1909 Hugo Freiherr von Salza und Lichtenau den Grundbesitz erwarb. Mit dem Geld seiner amerikanischen Ehefrau Margaret Soutter ließ der Schlossherr einige Veränderungen vornehmen, bei denen das barocke Bild des Schlosses aber erhalten blieb. So baute man an der Ostseite einen Pavillon an, der als Wintergarten diente. Eine zweigeschossige Halle nahm den Treppenaufgang auf.
Mit der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Familie von Salza und Lichtenau ihren Besitz. In der DDR erfüllte das Schloss öffentliche Funktionen. Es diente als Kindergarten, Standesamt und Gemeindeschwesternstation. Diese vielseitige Nutzung wird auch gegenwärtig fortgesetzt. Hinzugekommen ist der Heimat- und Schlossverein Kittlitz, dem es auch zu verdanken ist, dass das Schloss wieder in frischen Farben erstrahlt.
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Bildergalerie
Schloss Kittlitz
Oktogon
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Stand: 14.08.2011