Historisches Sachsen
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DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

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Beschreibung
Am Zusammenfluss der Zwickauer Mulde und des Schwarzwassers liegt die große Kreisstadt Aue im sächsischen Erzgebirge. Sie galt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als bedeutende Bergbau- und Industriestadt. Durch ihre Lage in einem Talkessel und infolge zwischenzeitlich eingemeindeter Orte des Umlandes hat sie eine zerklüftete Struktur. Auch das Rittergut Klösterlein ist in das Stadtgebiet einbezogen worden. Kaum vorstellbar, dass hier im Bereich der heutigen Bahnanlagen früher einmal Landwirtschaft betrieben wurde. Doch das Rittergut ging im 16. Jahrhundert aus dem Wirtschaftshof des ehemaligen Klösterleins Zelle hervor.
Ausgangspunkt war eine Stiftung der Meinheringer. Am 7. Mai 1173 beurkundete Kaiser Friedrich I. in der Reichsstadt Goslar auf Bitten Markgraf Ottos von Meißen, Meinhers I. von Werben und Dudos von Meineweh die Gründung des Klosters. Das Kloster unterstand dem Augustiner-Chorherrenstift St. Moritz in Naumburg und wurde dem heiligen Andreas und der heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Die dazugehörige Klosterkirche der Jungfrau Maria. Die Hauptaufgabe der Zeller Mönche bestand in der geistlichen Betreuung der sich im Zuge der deutschen Ostkolonisation und des damit verbundenen verstärkten Landesausbaus in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Erzgebirges ansiedelnden Bauern. Obwohl dem Kloster 60 Hufen (ca. 12 km²) Land übereignet wurden, kam es über bescheidene Anfänge nicht hinaus. Nach der Gründung des Klosters Grünhain um 1230 trat es noch mehr in den Hintergrund. Wohl daraus resultierend wurde das Kloster meist "Klösterlein" genannt. Schließlich erfolgte im Jahre 1527 dessen Auflösung im Zuge der Reformation in Sachsen.
Nach der Auflösung des Klosters blieb die Klosterkirche als evangelische Pfarrkirche des nahen Dorfes Zelle erhalten. Die Besitzungen fielen an den Kurfürsten Johann den Beständigen von Sachsen, der sie wiederum an Nickel von Ende verlehnte. Doch schon 1531 war Antonius Kellner neuer Herr über das Dorf Zelle. Er erwarb zudem das Klostervorwerk, das noch dem Moritzkloster in Naumburg gehört hatte. Aus ihm entwickelte sich das Rittergut Klösterlein. Auseinandersetzungen veranlassten Kellner zum baldigen Verkauf des Gutes. Nach dem kurfürstlich-sächsischen Münzmeister Hans Biener, dem ab 1550 das Rittergut gehörte, setzte Kurfürst Christian II. im Jahre 1604 Michael Eberhardt als Verwalter von Rittergut und Dorf Zelle ein. Weitere Besitzer folgten, bis 1638 Hans Friedrich von Wolffersdorf das Rittergut erbte. Unter der über 150jährigen Herrschaft dieser Adelsfamilie konnte sich Zelle wirtschaftlich weiter entwickeln. Erst im Jahr 1797 folgte die Familie von Brandenstein, die im März des Jahres 1816 miterleben musste, wie der Gutshof weitestgehend abbrannte.
Doch unter Carl Erdmann von Brandenstein wurde das Herrenhaus unverzüglich wieder aufgebaut. Den Entwurf lieferte der Maurermeister Johann Traugott Lohse aus Pleißa bei Chemnitz. Lohse trat durch seine monumental gestalteten Fabrik- und Kirchenbauten in der Kunstgeschichte Sachsens hervor. In Zelle errichtete er auf dem Gutshof ein zweigeschossiges, zehn Fensterachsen breites Herrenhaus mit hohem Mansardenwalmdach und rundbogigen Dachfenstern. Seine vier mittleren Fensterachsen sind etwas vorgezogen. Die streng symmetrisch gegliederte Fassade war ursprünglich mit zwei Portalen versehen. Im Keller und den hinteren Räumen des Erdgeschosses haben sich vermutlich noch Teile des Vorgängerbaus erhalten. Einfache Stuckdecken im Obergeschoss stammen aus der Zeit der Erbauung.
Im Besitz der Familie Brandenstein blieb Klösterlein bis 1846. Dann erwarb mit Carl Mehnert der erste bürgerliche Besitzer das Rittergut. 1897 kaufte Wilhelm Röll, Besitzer einer Maschinenfabrik in Aue, den Gutshof. Im gleichen Jahr wurde auch das Dorf Zelle als Ortsteil nach Aue eingemeindet, 1922 folgte der Gutsbezirk Klösterlein. So gelangte das ehemalige Rittergut nach der Enteignung des Bruders von Irmgard Röll 1945/46 in den Besitz der Stadt Aue. Seit dieser Zeit ist das Herrenhaus Sitz zahlreicher kommunaler Einrichtungen.
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Herrenhaus Klösterlein
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Stand: 11.03.2016