Historisches Sachsen
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Beschreibung
Schloss Krobnitz lässt sich mit keinem anderen Schloss in Sachsen vergleichen. Das strahlend weiße Gebäude mit der edel wirkenden klassizistischen Architektur will so gar nicht zu den in Sachsen sonst üblichen barocken Schlossanlagen passen. Vielmehr könnte der Herrensitz weiter nördlich in Brandenburg angesiedelt sein. Doch der Grund für diese Konstellation ist einfach: Krobnitz liegt im östlichen Teil der Oberlausitz, der von Sachsen 1815 auf dem Wiener Kongress an das Königreich Preußen abgetreten werden musste. Obwohl dieser Landstrich schon lange wieder zu Sachsen gehört, hat sich mit dem Schloss in Krobnitz dennoch ein Zeuge der fremden Herrschaft erhalten. Sein Bauherr, der Generalfeldmarschall und preußische Kriegsminister Albrecht Graf von Roon, erwarb 1873 nach seiner Pensionierung das ehemalige Rittergut und ließ es zu seinem Altersruhesitz umbauen.
Doch die Geschichte des ehemaligen Rittergutes setzte bereits viele Jahrhunderte früher ein. Das Dorf Krobnitz wurde erstmalig 1315 urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit gehörte es zu einem Güterkomplex, den die Familie von Döbschütz besaß. Über drei Jahrhunderte war die Familie im Besitz von Krobnitz. Schließlich musste Hans von Döbschütz 1589 das Gut wegen zu hoher Schulden verkaufen. Mit Christoph von Nostitz und Rengersdorf übernahm eine alteingesessene oberlausitzer Familie den Besitz. Den Dreißigjährigen Krieg überstand Dorf Krobnitz nahezu unbeschadet. Aber lange sollte Krobnitz nicht bei der Familie von Nostitz bleiben. Bereits 1688 veräußerte es der letzte Erbe. In den Händen der Familie von Warnsdorf bliebt das Rittergut Krobnitz über drei Generationen. Auf Grund nur geringen Interesses verkaufte sie es 1721 an Hans Christoph von Loeben. Aber auch hier blieb Krobnitz nur für wenige Jahre. Da das Rittergut ein "Mannlehen" war, konnten die weiblichen Nachfolgerinnen das Gut nicht halten. Die von Loeben verkauften Krobnitz 1732 an die Familie von Uechtritz. Die neuen Besitzer bemühten sich, das Lehngut in ein Erbgut umwandeln zu lassen. Schließlich hatten sie 1761 Erfolg.
Mit der Familie von Uechtritz setzte eine weitere Bauperiode ein. Carl Heinrich Wilhelm von Uechtritz ließ ab 1750 ein barockes Herrenhaus errichten. Das zweigeschossige Gebäude trug ein Mansarddach und war im Innern mit Stuckdecken und Holztäfelungen ausgestattet. Aus dieser Zeit stammt auch ein Wappenstein am östlichen Nebenausgang. Die Monogramme C. H. W. V. U. und F. E. V. U. beziehen sich auf den Bauherrn Carl Heinrich Wilhelm von Uechtritz und seine 1739 verstorbene Ehefrau Friederike Eleonore von Uechtritz. Darunter steht die Jahreszahl 1759 und die Inschrift "Gott allein die Ehre". Nach seinem Vater ließ Friedrich Wilhelm von Uechtritz 1792 einen kunstvoll ausgestatteten Stall für seine wertvollen Pferde errichten und einen Park anlegen, der einst "Friedrichstal" hieß. Von der im heutigen Friedenstal liegenden englischen Parkanlage haben sich Teile der Lindenallee und zwei Teiche erhalten.
Der Familie von Uechtritz folgten mehrere Besitzer in kurzen Abständen. Mit der Übernahme des Gutes durch Friedrich Georg Henning von Oertzen am Anfang des 19. Jahrhunderts setzte eine erneute rege Bautätigkeit auf dem Rittergut ein. Der Landrat des Kreises Görlitz war sehr um die wirtschaftliche Stärkung seines Gutes bemüht. Zum Wirtschaftsbetrieb gehörten zwei Vorwerke, Brennerei, Brauerei, Ziegelei und eine Schäferei. Für seine Verdienste ernannte die Stadt Görlitz den "Königlichen Rittmeister und Landrath a.D., Ritter des rothen Adlerordens zweiter Klasse mit Eichenlaub und des königlich sächsischen Heinrichsordens" zum Ehrenbürger.
1852 erbte Louise von Oertzen, geb. Krug von Nidda, das Gut Krobnitz. Eine Erbengemeinschaft verkaufte den Besitz 1873 schließlich an Albrecht Graf von Roon.
Der preußische Kriegsminister Albrecht Theodor Emil Graf von Roon gehörte zu den Wegbereitern des deutschen Kaiserreiches. Kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde Graf von Roon als Generalfeldmarschall in den Ruhestand versetzt. Von Roon zögerte nicht lange, verkaufte sein Gut in Gütergotz bei Berlin und ließ sich in der Oberlausitz nieder. Das damalige im Barockstil erbaute Herrenhaus ließ er aufstocken und das Mansarddach durch ein Flachdach mit Balustrade ersetzen. Im Osten fügte man einen zweigeschossigen Flügel sowie ein achteckiges Belvedere an. Gleichzeitig erhielt das Hauptgebäude eine edle klassizistische Fassade, die dem Berliner Kriegsministerium ähnelte. Im hinteren Teil des Parks errichtete von Roon eine Familiengruft. Sein Sohn Waldemar ergänzte die Grablege mit einer neogotischen Kapelle. Der turmartige Bau enthielt ein Standbild, das den Generalfeldmarschall als Ritter darstellt. Das Ritterrelief stammte vom Münchner Bildhauer Eduard Beyrer. Die Glocke stiftete Kaiser Wilhelm II. Das Bauwerk war für Trauerfeiern und Gedächtnisse der Familie konzipiert. Leider wurde die Kapelle 1980 aus ideologischen Gründen zerstört. Erhalten ist nur die Gruft, in der dreizehn Mitglieder der Grafenfamilie ruhen. Albrecht Graf von Roon verstarb 1879 während einer Reise nach Berlin.
Ilse Gräfin von Roon verwaltete den Familienbesitz bis 1945. Anfang Mai flüchteten die Besitzer vor der Roten Armee. Unmittelbar nach Kriegsende setzte die Zerstörung der Gebäude ein. Zunächst nutzte das sowjetische Militär das Schloss als Kommandantur. Später fanden Flüchtlinge und Vertriebene eine Unterkunft. Die damit im Zusammenhang stehenden Baumaßnahmen zergliederten die ehemalige Raumstruktur völlig. Der Turm und die gesamte Fassadenstruktur fielen diversen Umbaumaßnahmen zum Opfer. Erst unter der Bauherrschaft der Stadt Reichenbach, die 2002 das Schlossgelände erwarb, erfolgte eine umfassende Sanierung.
Das Schloss besitzt nach der Restaurierung wieder das Aussehen, das ihm Albrecht Graf von Roon bei seinem Umbau gab. Auch der verloren gegangene Turm wurde wieder errichtet. Ein 1914 angeschlossener Saalbau, der sich nicht in das Gesamtensemble einfügte, wurde abgerissen.
Heute ist das Schloss Sitz des Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbundes. Das Museum in seinem Innern beherbergt Dauerausstellungen zur Geschichte des Gutes und zu Graf von Roon. Sonderausstellungen, Sommerkonzerte aber auch das Hochzeitszimmer komplettieren die Nutzung.
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Schloss Krobnitz
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Stand: 07.08.2011