Historisches Sachsen
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Beschreibung
Noch im Sommer 2004 war von dem Schloss in Leuben, nahe der Stadt Oschatz, nichts zu sehen. Wilde Bäume und meterhohes Gestrüpp versperrten den Blick. Kaum einer kannte bislang das in der Döllnitzaue gelegene Wasserschloss, obwohl es zu den schönsten in Sachsen gezählt werden muss. Von einem Wassergraben umgeben führt von der Hofseite eine kurze Brücke auf die Schlossinsel. Auf der gegenüberliegenden Seite öffnet eine steinerne Treppe den Weg auf das Gartenparterre an der Parkseite. Erst als sich 2004 der Leubener Schlossverein e.V. gründete und sich des Schlosses annahm, wurde das Kleinod sichtbar.
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich durch jahrelangen Leerstand und Verfall bereits gravierende Schäden an dem Bauwerk eingestellt. Doch die Leubener gaben nicht auf, beseitigten das Unterholz und sicherten das Gebäude zuerst mit einem neuen, leuchtend roten Dach. Zusammen mit den Dachhäuschen, Zierschornsteinen und einem ungewöhnlichen Dachturm, von dem später noch zu lesen sein wird, kündete es von der Auferstehung des alten Adelssitzes.
Leuben, ein kleines Dorf beiderseits des Döllnitzbaches, ist bereits seit Anfang des 14. Jahrhunderts bekannt. Eine Wasserburg galt als Vorposten der Feste Gana in der Nähe des heutigen Stauchitz. Erster namentlich bekannter Besitzer war 1499 Dietrich von Hornsberg. Seine Nachfahren konnten Leuben bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts sichern. Mit dem Tod des Wolf Christian von Hornsberg ging das Rittergut 1640 in den Besitz der Freiherrn von Taube über.
Eine neue Zeit brach an, als um 1700 der "Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Generalmajor und Oberstallmeister" Hans Gottlieb von Thielau Rittergut und Burg erwarb. Hans Gottlieb von Thielau wurde 1662 in Schlesien geboren. 22jährig kam er an den kurfürstlichen Hof in Dresden, wo ihn Kurfürst Johann Georg III. zum Kammerjunker für seine beiden Söhne Johann Georg und Friedrich August erwählte. Als Stallmeister begleitete er den späteren sächsischen Kurfürsten und polnischen König August den Starken auf seiner Kavalierstour durch Europa. Fortan entstand eine enge Bindung an das Haus Wettin. Neben Leuben besaß Hans Gottlieb von Thielau auch noch das Gut in Lampertswalde bei Dahlen und wurde zum Amtmann von Colditz ernannt. Darüber hinaus hatte er Zugang zu den höchsten Persönlichkeiten am sächsischen Hof. So konnte es sich die Familie leisten, die alte Burg Leuben von Grund auf umzubauen. Der barocke Baustil, der sich in Sachsen durchsetzte, hielt auch in Leuben Einzug. Wenngleich der Baumeister nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann, ist zu vermuten, dass kein geringerer als der Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel am Entwurf beteiligt war.
Auf einem rechteckigen Grundriss entstand ein zweigeschossiges Gebäude mit einem einfachen Walmdach. Die schlicht gehaltene Fassade gliedert ein Mittelrisalit, den auf der Parkseite ein Dreiecksgiebel ziert. Trotz dieser einfachen Gestaltung überzeugt das Gebäude durch seine ausgewogenen Maße und zurückhaltend vornehme Fassadengliederung. Sein Inneres zeichnete sich durch eine schlichte Eleganz aus. Meisterhafte Stuckarbeiten an den Decken und Kaminen verschönerten die Räume. Sie waren zum Teil mit Rokokomöbeln ausgestattet.
Betritt man das Schloss durch das hofseitige Portal, gelang man zunächst in eine geräumige Vorhalle. Links schließt sich ein Vestibül mit Treppenhaus an. Geradeaus öffnet sich der Weg zum Stein- oder Gartensaal. Von ihm führen einige Stufen hinunter auf das einst im französischen Stil gestaltete Gartenparterre. Vasen und Sandsteinfiguren der vier Jahreszeiten belebten früher den Park.
Ein besonderes gestalterisches Element ist der Dachturm, der wie ein riesiger Schornstein aussieht. Ihn krönt ein schlanker Obelisk. Seinen Ausgangspunkt hat diese Konstruktion im Streit zwischen dem Schlossbesitzer und dem Landvermesser Adam Friedrich Zürner. Kurfürst August der Starke ordnete an, dass wichtige Straßen durch Meilensteine zu markieren seien. Da auch Leuben an der alten Poststraße von Dresden nach Hubertusburg liegt, sollte ein Meilenstein vor die Schlossbrücke gestellt werden. Der Schlossbesitzer widersetzte sich jedoch der Weisung und errichtete den Meilenstein im gegenseitigen Einvernehmen auf dem Dachturm.
Im Mai 1896 starb der Rittergutsbesitzer Florian von Thielau. Erbin war Florians Schwester Louise von Pflugk. Mit dem Tod des Kammerherrn Otto von Pflugk ging der Besitz zu gleichen Teilen an seine Töchter Marie Louise von Zeschau und Erika von Nagell. Das Gut blieb bis 1945 in beider Besitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schlossgebäude Unterkunft zahlreicher Aussiedler. Später war es Verwaltungssitz der LPG "Frohe Zukunft", Kindergarten und Verkaufsstelle. Bis zum Jahre 1973 wurde das Schloss genutzt und dann wegen baulicher Mängel gesperrt und dem Verfall überlassen. Ein Privatinvestor tat seit 1991 nichts, um das Schloss zu erhalten. Das Ende war abzusehen. Doch die Einwohner Leubens wollten sich nicht mit dem Untergang des Schlosses abfinden. Dem 2004 gegründeten "Leubener Schlossverein" e.V. gelang es, dem Eigentümer das Schloss abzukaufen. Seit dem hat sich viel getan. Der Verein möchte das Schloss einmal als Begegnungszentrum und für kulturelle Veranstaltungen ausbauen. Hoffen wir, dass es gelingt.
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Schloss Leuben
Schloss Leuben
Dreiecksgiebel
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Stand: 30.12.2012