Historisches Sachsen
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Beschreibung
Otto Carl Erdmann Graf von Kospoth war ein seltsamer Mann. Aber auch ein gebildeter. Er liebte die Musik und Literatur, komponierte und lebte als preußischer Kammerherr Friedrichs des Großen in Berlin und Potsdam. Doch bei der Bewirtschaftung seines Rittergutes in Mühltroff versagte er. Schon bald nach der Übernahme 1790 kam er in finanzielle Schwierigkeiten. Ab 1799 wurden seine Besitzungen durch den Kommerzienrat Christian Traugott Werner verwaltet und 1805 musste er Mühltroff sogar verkaufen, behielt sich jedoch das Wohnrecht im Schloss vor. So befand er sich auch in seinem Zimmer, als das Schloss am 23. Juni 1817 in Flammen aufging. Hartnäckig blieb er dort "weil er den Feuersegen habe, und keine Flamme ihm nahe kommen könne". Schließlich stürzte der brennende Turm zusammen und begrub den seltsamen Grafen für immer. Ob der Graf von der Kraft des Feuersegens wirklich überzeugt war, oder nur seines Lebens überdrüssig, wird wohl nie geklärt werden.
Schon lange ist Schloss Mühltroff wieder aufgebaut, aber noch immer sind die Probleme sichtbar, die schon der Graf von Kospoth kannte. Große Teile des Schlosses sind sanierungsbedürftig, doch weder die Stadt noch der 1995 gegründete Förderverein wissen, woher sie die finanziellen Mittel dafür hernehmen sollen. So bemüht sich der Förderverein um die kulturelle Nutzung und versucht mit den im Schloss befindlichen Ausstellungen wenigstens etwas Geld in die klammen Kassen zu bekommen.
Dabei besitzt Schloss Mühltroff eine lange und wechselvolle Geschichte. Um 1200 gegründet war die Herrschaft Mühltroff im Besitz des fränkischen Adelsgeschlechts der Lobdeburger. Schließlich wurde das Schloss 1349 im Lehnsbuch Friedrichs des Strengen als Meißnisches Lehen erwähnt und dort als "castrum" bezeichnet. Mittelpunkt dieser ursprünglich von einem Wassergraben umgebenen Tieflandburg ist der runde, aus Bruchsteinen gefertigte und in den Nordflügel integrierte Bergfried aus dem 13. Jahrhundert. Der heutige gewachsene Gebäudekomplex ordnet sich deutlich um diesen Rundturm an. Sein vorspringender Westflügel und das Torgebäude wurden dabei in den ehemaligen Wassergraben der Mittelalterburg hineingebaut. Nach Osten ist das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert weitgehend vom Schloss getrennt. Das sanierte frühbarocke Bauwerk besitzt einen offenen Arkadengang im Erdgeschoss.
Der Zutritt des Schlosses erfolgt über das Torgebäude an der Ostseite. In seinem Dreiecksgiebel verweisen Wappen und Monogramm auf Otto Carl Erdmann Graf von Kospoth, der 1817 im Schloss verbrannte. Die darunter angebrachte gusseiserne Platte zeigt das Wappen der Grafen von Hohenthal. Der Durchgang führt in einen kleinen Innenhof, von dem sich die zahlreichen Räume des Hauses erschließen. Mit über 200 Fenstern auf fünf Etagen zählte Schloss Mühltroff zu den größten Schlössern der Umgebung. Im Untergeschoss hat sich eine Schwarzküche erhalten, die heute für Veranstaltungen verschiedenster Art zur Verfügung steht. Durch einen Übergang ist das Herrenhaus heute noch mit der Schlosskirche verbunden. Daneben befand sich einst der Wirtschaftshof. Ein Park mit Bassin und Sommerpavillon vervollständigte die herrschaftliche Anlage.
1357 musste Heinrich der Ältere, Vogt von Plauen, seinen Besitz in Mühltroff an die Wettiner Markgrafen abtreten, die fortan Vasallengeschlechter mit dem Schloss belehnten. Seit dem 15. Jahrhundert gehörte der Adelssitz der im Vogtland reich begüterten Familie Sack. Die Familie Sack ist im vogtländischen, oberfränkischen und sächsischen Raum beheimatet. Sie gelten im Vogtland als einflussreiches Geschlecht mit ausgedehntem Grundbesitz. 1532 verlieh Kaiser Karl V. den Brüdern Hans und Caspar Sack aus der Mühltroffer Linie für sich und ihre Erben den Beinamen "Die Edlen". Doch die Linie erlosch bereits 1591 mit Hans Balthasar Edlen Sack auf Mühltroff.
In der Folgezeit wurde Mühltroff mehrfach verkauft und gelangte Anfang des 17. Jahrhunderts an Melchior von Bodenhausen. Das ursprünglich niedersächsischen Adelsgeschlechts von Bodenhausen behielt Mühltroff für anderthalb Jahrhunderte. Unter ihnen erlebte das Schloss auch seine Glanzzeit. Durch den Tod der Witwe Charlotte Eleonore Freifrau von Bodenhausen, die 1774 starb, fielen die Rittergüter Leubnitz und Mühltroff ihrem Schwiegersohn Carl Erdmann von Kospoth zu. Aus seiner Ehe mit Ottonie Eleonore Freiin von Bodenhausen ging als einer ihrer Söhne Otto Carl Erdmann hervor, der 1817 beim Schlossbrand den Tod fand.
Schon vorher musste Otto Carl Erdmann von Kospoth das Schloss verkaufen. Das Schloss ging durch mehrere Hände bis 1822 Graf Christian Gottlob von Hohenthal auf Hohenprießnitz das Rittergut erwarb. Der königlich preußische Kammerherr war ein Nachfahre des 1717 geadelten Leipziger Kaufmanns und Ratsherrn Peter Hohmann. Zehn Jahre später fiel der Besitz an den Grafen Carl Friedrich Anton von Hohenthal, der die Linie Hohenthal-Püchau begründete. Seine umfangreichen Besitzungen und Tätigkeiten erlaubten es ihm, sich abwechselnd in Berlin, Dresden und Weimar aufzuhalten. Doch kehrte er regelmäßig zu seinem Lieblingsschloss nach Püchau zurück. Das Schloss in Mühltroff hingegen stand meistens leer. 1940 übereignete der letzte Graf von Hohenthal das Schloss der Stadt Mühltroff, die darin Wohnungen einrichtete. Aber die Wohnbedingungen entsprachen am Ende der 1980er Jahre nicht mehr den Bedürfnissen. Mit dem Leerzug des Schlosses entfielen auch die Erhaltungsmaßnahmen. Erst der Förderverein Schloss Mühltroff bemühte sich, durch eine vielseitig kulturelle Nutzung des Schlosses den weiteren Verfall aufzuhalten.
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Schloss Mühltroff
Schloss Mühltroff
Wappen der Grafen von Hohenthal
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Stand: 14.12.2014