Historisches Sachsen
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Beschreibung
Die Große Kreisstadt Oelsnitz im Vogtland ist seit mehreren hundert Jahren mit dem Textilhandwerk verbunden. Bereits im Jahre 1672 gründete sich eine Weberinnung mit dem Schwerpunkt zunächst auf Leinen- und später auf Wollweberei. Erste Manufakturen entstanden vor 200 Jahren. In diese alte Tradition traten auch die beiden Designer Willo Steen und Rolf Schneider ein, die mit ihrer Firma Steen Design das zwischenzeitlich fast verschwundene Erbe fortsetzen. Ihren Firmensitz nahmen sie im ehemaligen Herrenhaus des Rittergutes Untermarxgrün, das heute ein Ortsteil von Oelsnitz ist.
Das Rittergut Untermarxgrün wurde 1582 erstmals erwähnt und gehörte zu den kleineren Gütern in Sachsen. Es war ein amtssässiges Rittergut. Der Grundherr besaß die Ober- und Erbgerichtsbarkeit über seine Untertanen.
Bereits im 15. Jahrhundert war Untermarxgrün in zwei Rittergüter geteilt, die jedoch überwiegend unterschiedliche Besitzer hatten. Erst der Plauener Kaufmann Gottlob Schmidt vereinte durch den Kauf 1780 beide Güter. Vom Rittergut oberen Teils sind heute jedoch keine Reste mehr erhalten, nachdem ein Brand 1870 die Gutsgebäude vernichtete.
Als Gottlob Schmidt starb, hinterließ er seinen drei Kindern ein beträchtliches Vermögen. Das Rittergut erbte 1821 seine Tochter Julie Amalie Schmidt, die mit dem späteren Kammer-Commissionsrath Friedrich Gottlob Kretzschmar verheiratet war. Das barocke Wohnhaus des unteren Gutes brannte 1826 ab, doch Friedrich Gottlob Kretzschmar ließ die Gebäude wieder aufbauen. So entstand ein dreigeschossiges und zehn Fensterachsen breites Gebäude mit Walmdach, das in seinen Grundzügen heute noch zu erkennen ist. Die Mittelachse hob ein Dreiecksgiebel hervor. Besonders gepriesen war in jenen Tagen aber auch die Wohltätigkeit des Herrn Kretzschmar: Nach einem Gewinn in der Königlich-Sächsischen Landeslotterie erließ er 1832 seinen Untertanen die Fronleistungen ohne weitere Entschädigung.
Untermarxgrün sollte jedoch nicht mehr lange im Besitz der Familie Kretzschmar bleiben. Kretzschmar verkauft das Rittergut an den pensionierten Revierförster Friedrich Gottfried, der es seinerseits 1854 an Gottfried Julius Zeidler veräußerte. 1903 gelangte das Gut an Hermann Dietrich, Teilinhaber der Vogtländischen Maschinenfabrik AG (VOMAG) in Plauen, die aus der 1881 gegründeten Vogtländische Maschinenfabrik J. C. & H. Dietrich hervorgegangen war. Die beiden Namensvetter Johann Conrad Dietrich aus der Schweiz und sein sächsischer Schüler Hermann Dietrich schrieben für Plauen bald Geschichte. Zunächst konzentrierten sie ihre Produktion auf die Herstellung von Hand- und Schiffchenstickmaschinen. Doch die Anzahl der Beschäftigten verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre. 1895 in die Aktiengesellschaft umgewandelt, weitete die VOMAG später ihr Werk um mehrere Produktionszweige aus (z. B. um die Produktion von Rotationsdruck- und Feinstbohrmaschinen, Lastkraftwagen und Omnibusse). Ab 1900 zählte die VOMAG zu einem der führenden Maschinenbauunternehmen in Deutschland und besaß einen guten internationalen Ruf.
So konnte Hermann Dietrich sein neu erworbenes Herrenhaus in Untermarxgrün noch im gleichen Jahr aufwändig umgestalten. Die Parkseite des Hauses wertet ein Altan auf, der im Erdgeschoss den Eingang enthält. Im zweiten Obergeschoss ist der Altan als Balkon ausgebildet. Reicher figürlicher Schmuck überzieht den Portalbogen und die Kapitelle. Das Dach erhielt einen Dachreiter mit Zwiebelhaube. An den Seiten des Herrenhauses fügte der Bauherr zweigeschossige Seitentrakte an. Vor der Parkseite des Herrenhauses erstreckte sich einst ein Gutspark mit einem Teich, der in den 1970er Jahren zugeschüttet wurde. Reste des Parks zeichnen sich heute noch als Grünfläche ab.
Der letzte Gutsbesitzer Alfred Dietrich wurde 1945 verhaftet und starb in einem sowjetischen Lager. Das beschlagnahmte Rittergut teilte man an Neubauern auf. In das Herrenhaus zog 1948 eine Landwirtschaftsschule ein, die jedoch im folgenden Jahr nach Oberlosa verlegt wurde. Den Rittergutshof in Marxgrün benötigte man für eine Maschinenausleihstation, die später in den Kreisbetrieb für Landtechnik Oelsnitz überging. Im Herrenhaus richtete der Rat des Kreises Oelsnitz ab 1960 verschiedene Ämter ein. 2005 verkaufte der Vogtlandkreis schließlich das Herrenhaus samt Park an die Designer Willo Steen und Rolf Schneider. Die neuen Eigentümer setzten die Fassade, Dach und Innenräume instand und nutzen das Herrenhaus seit dem als Wohnhaus sowie als Verwaltung und Schauräume von Steen Design.
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Herrenhaus Untermarxgrün
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Stand: 23.11.2014