Historisches Sachsen
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Belgershain   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Der kleine Ort Belgershain südöstlich von Leipzig erfuhr seine Ersterwähnung in einer Urkunde aus dem Jahre 1296. Grund für die Anlage einer Siedlung im sumpfigen Gelände war der Schutz der in der Nähe vorbeiführenden alten Handelsstraße zwischen Leipzig und Rochlitz. Im Zentrum des Schutzes stand eine Burganlage, die im Kern um die Wende des 11. zum 12. Jahrhundert im Auftrag von Wiprecht von Groitzsch errichtet wurde. Dabei nutzte die Burg die natürlichen Unzugänglichkeiten des Geländes als Verteidigungsvorteil, doch erst durch Aufschüttung mit Ton, Lehm und Kies und durch den umgebenden Wassergraben wurde sie bewohnbar. Der um die sogenannte Teichinsel angelegte Wassergraben ist noch heute erhalten und schließt das im 16. Jahrhundert aus der Burganlage hervorgegangene Schloss sowie das ehemalige Kavalierhaus - das heutige Rathaus - ein. Westlich des Schlosses erhebt sich die Dorfkirche, während östlich im 17. Jahrhundert ein Wirtschaftshof entstand. Die Wirtschaftsgebäude sind außerhalb des Grabenrings unregelmäßig angeordnet und beherbergen heute den Schulhort und eine Kindertagesstätte.
Dominierendes Gebäude auf dem Areal ist jedoch das Schloss auf einem annähernd quadratischen Grundriss mit vorgestelltem, das Hauptgebäude überragenden Turm. Den zweigeschossigen Baukörper des Schlosses bedecken zwei parallel angeordnete Satteldächer, die von den Giebeln begrenzt werden. Da die beiden Giebel mit dem quadratischen, im oberen Bereich achteckigen Turm verbunden sind, ergibt sich eine ungewohnte Bauform. Das Schloss selbst wird geprägt von neugotischen Umbauten des 19. Jahrhunderts. Die Fenstergliederung ahmt ein gotisches Maßwerk nach. Ein Balkon am Turm und stehende Gauben auf den Dächern lockern die äußere Gestaltung auf.
Das Innere des Schlosses betritt man durch die Haustür des Treppenturms, von dem eine Treppe in die Kellergewölbe und eine weitere in die kreuzgewölbte Eingangshalle führt. Rechts von der Eingangshalle schließt sich der große Saal an. Kamine sind noch in der Eingangshalle und im großen Saal erhalten. Einige Räume erhielten im 18. Jahrhundert unterschiedlich gestaltete Stuckdecken. Die Räume werden heute noch von der Schule bzw. für das Vereinsleben genutzt.
Die Geschichte des Ortes ist über viele Jahrhunderte mit der der Grundherren eng verbunden. Bauern fronten dem jeweiligen Gutsherren von Schloss und Rittergut Belgershain. Dabei wechselten die Besitzer des Schlosses und der Grundherrschaft mehrfach. Unter den Gutsherren sind besonders die Namen von Pflugk, von Ponickau, von Schulenburg, von Zehmen und dann bis 1945 von Schönburg-Waldenburg erwähnenswert. Gehörte Belgershain 1330 noch den Rittern von Trebsen, richteten sich die Herren von Pflugk im 15. Jahrhundert auf dem Gut ein. Ihnen folgte 1543 der Kurfürstliche Rat Hans Edler von der Planitz. Über die Familien von Schönfeld und von Schulenburg gelangte Belgershain 1681 schließlich an die Herren von Ponickau, die das Rittergut 100 Jahre im Besitz behalten sollten. Es folgten Mitglieder der Familien von Rex, von Hopfgarten, von Uechtritz und von Zehmen. Die letzten Herren des Schlosses waren bis 1945 die Fürsten von Schönburg-Waldenburg, die sich jedoch nur gelegentlich in Belgershain aufhielten. Schließlich wurde Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg 1945 enteignet. Schloss und Rittergut gingen in Volkseigentum über; das Land fiel unter die Bodenreform. Nachdem es gelungen war, den Abbruch des Schlosses zu verhindern, richtete die Gemeinde Belgershain im Schloss eine Schule ein, die 1973 in einen Neubau umzog. Seit 1990 sind Schloss und Teile des Parks und vom Rittergut Eigentum der Gemeinde Belgershain. 2003/04 erfolgte eine umfassende Sanierung des Areals und 2010 erhielt der Schlosssaal sein neues Aussehen. Er wird für vielfältige Kulturveranstaltungen genutzt.
 
Bildergalerie
Schloss Belgershain
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