Historisches Sachsen
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Treuen   
 
Allgemeines
 
Information

Vogtlandkreis

Beschreibung
Treuen geht auf das Ende des 12. Jahrhunderts zurück. Im Zuge des Landesausbaus errichteten die Vögte auf einem Felssporn über dem Treuenschen Wasser zum Schutz und zur Verwaltung ihrer Rodedörfer eine landesherrliche Höhenburg. Bei der Teilung der Herrschaft Plauen in die Häuser Plauen-Ältere Linie und Plauen-Reuß kam die Burg Treuen 1306 an die reußsche Linie. 1329 belehnte Kaiser Ludwig der Bayer den Vogt Heinrich II. Reuß von Plauen und 1367 Kaiser Karl IV. als König von Böhmen Heinrich III. Reuß von Plauen mit der Burg. Durch diese Anerkennung der Lehnshoheit des Königs von Böhmen behaupteten die Reußen ihren vogtländischen Besitz gegen die Machtansprüche der Wettiner. Erst 1410 kam Treuen in den Besitz der Markgrafen von Meißen und sank in grundherrliche Verhältnisse. Die Burg wurde aber Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der Grundherrschaft. Mit dem Kauf der Burg Treuen im November 1510 durch Jobst von Feilitzsch auf Kürbitz und Unterlauterbach begann eine über Jahrhunderte währende Herrschaft der Familie von Feilitzsch.
Die Familie von Feilitzsch ist ein altes vogtländisch-fränkisches Adelsgeschlecht. Ihr Stammsitz befindet sich in Feilitzsch bei Hof. Der erste urkundliche Nachweis der Familie geht auf eine Urkunde der Vögte von Weida aus dem Jahre 1365 zurück, in der Peter von Feilitzsch als Komtur des Deutschen Ordens in Schleiz erwähnt wurde. Das Geschlecht gehörte zu den größten Grundbesitzern im fränkischen und sächsischen Vogtland. Der Familienstamm teilte sich in zahlreiche neue Familienzweige auf (u.a. von der Heydte, von Röder, von Zedtwitz), die ihre Verwandtschaft durch die Benutzung des gleichen Wappens dokumentierte.

Treuen oberen Teils


Die alte Spornburg oberhalb des Treuenschen Wassers lag - heute völlig eingeebnet - beim ehemaligen Rittergut Treuen oberen Teils. Zwischen dem Kern der mittelalterlichen Burg und der Hochfläche schob sich eine charakteristische Vorburg ein. Befestigungsreste dieser anzunehmenden Vorburg sind allerdings nicht erhalten. Der Halsgraben lief leicht gebogen gegenüber dem zungenartigen Vorsprung des Talsporns. Gefundene Reste einer Umfassungsmauer lassen erkennen, dass sich der Bering an das Gelände angepasst hat, was für ein höheres Alter der Burg spricht. Über den Innenausbau ist jedoch nichts bekannt.
Im Zuge der Ende des 16. Jahrhunderts begonnenen Herrschaftsteilung aufgrund von Erbstreitigkeiten wurde die Burg zum Herrensitz des Rittergutes Treuen oberen Teils. Mit den Lehnbriefen von 1612 für Urban von Feilitzsch auf Treuen unteren Teils und Moritz Rüdiger von Feilitzsch auf Treuen oberen Teils war die Herrschaftsaufteilung endgültig abgeschlossen. Gleichzeitig machte die Teilung eine Unterscheidung der beiden Güter erforderlich. So ist der ältere Herrensitz erstmals 1637 als "oberes Rittergut Treuen" belegt. Nach der Zerstörung der Burg Anfang des 17. Jahrhunderts musste schnell ein Wohnsitzersatz geschaffen werden. Man errichtete neben der zerstörten Burg einen Behelfsbau, der jedoch bald wieder als "wüst gelegen" bezeichnet wurde. Christian Heinrich von Feilitzsch, der das Gut erbte, begann deshalb 1766 mit dem Bau des dritten Herrenhauses. Das obere Gut blieb bis 1857 im Besitz der Familie von Feilitzsch, dann verkauften Christiane Amalie und Rudolph Erdmann von Feilitzsch es an den bürgerlichen Rittergutsbesitzer Johann Gottfried Opitz. Dessen Sohn Hugo Gottfried Opitz ersetzte das vorhandene Herrenhaus 1876 durch einen Neubau, der jedoch 1909 niederbrannte. Ein Dienstmädchen war mit offenen Licht schlafen gegangen und durch die Hitze des entstehenden Feuers geweckt worden. Trotz der Löschversuche von Feuerwehr und zahlreicher Helfer brannte das Haus nieder. Noch im selben Jahr errichtete die Herrschaft das heute bestehende Haus unter Leitung des Baumeisters Emil Enders aus Treuen. Enders versah das Herrenhaus mit einer symmetrischen Fassadengliederung und einem hohen Mansardwalmdach mit Dachgauben. Auf der Hangseite bietet eine halbrunde Veranda mit Halbsäulen und darüberliegendem Balkon weite Ausblicke auf die Ortschaft. Ein Bogengiebel, bekrönt mit einem schreitenden Löwen, erhebt sich in der Mittelachse. Sein Giebelfeld füllt ein Wappen. Auf der Hofseite tritt ein Treppenhaus mit Bleiglasfenster aus den 1920er Jahren und einer hölzerne Treppe hervor.
Noch vor 1920 übernahm das Rittergut oberen Teils die Familie Sörgel, die im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 als Besitzer von Treuen oberen Teils enteignet wurde. Das Gut ging in staatlichen Besitz über; im Herrenhaus brachte man die Verwaltung eines Volksgutes unter. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten verkaufte im Jahr 2000 die Treuhand-Ligenschaftsgesellschaft die Gebäude und Flächen des aufgelösten Volksgutes an einen bayerischen Landwirt, der heute das Herrenhaus bewohnt und einen Landwirtschaftsbetrieb führt.

Treuen unteren Teils


Das Rittergut Treuen unteren Teils ging aus einem Vorwerk hervor, das ursprünglich zur Burg Treuen gehörte. Erbauseinandersetzungen führten im 16. Jahrhundert zu mehrfachen Besitzteilungen der Familie von Feilitzsch. So begann Urban von Feilitzsch 1608 mit dem Bau eines standesgemäßen Herrensitzes auf dem Gelände des Vorwerks. Die Wirtschaftsgebäude waren vorhanden und konnten genutzt werden. Nur das Wohnhaus des Verwalters genügte nicht den Ansprüchen an einen Herrensitz und musste verändert werden. Über den alten Tonnengewölben des Vorwerksgebäudes ließ Urban von Feilitzsch ein massives Erdgeschoss und zwei weitere Etagen in Fachwerkkonstruktion errichten. Die Kellergewölbe und eventuell Teile des Erdgeschosses gehören zur ursprünglichen Bausubstanz des Vorwerks. Das steile Satteldach durchbrechen zwei asymmetrische Querhäuser, deren Giebel ebenfalls aus Fachwerk bestehen. Vor dem Gebäude erhebt sich auf der Hofseite als Herrschaftszeichen ein steinerner Treppenturm mit Oktogon und geschweifter Haube.
Im Innern beeindrucken die zwischenzeitlich freigelegten Deckenbalken und Decken mit Stempelstuckornamenten. Bei dieser Technik ließen sich die Stuckateure von einem Bildhauer Ornamente z.B. in Holz schneiden, drückten diese in Ton ab und gossen die Formen mit Gips aus. Die fertigen Elemente wurden dann an Decken und Wänden befestigt. So zeigt eine Decke im Obergeschoss Felder mit Sternen, Tieren und floralen Motiven. Eine weitere Kostbarkeit in einem anderen Raum ist eine großflächige Wandmalerei mit einem Jäger und verschiedenen Tieren. 1610 zog Urban von Feilitzsch mit seiner Familie und dem Gesinde in das neue Schloss ein. Mit den Lehnbriefen von 1612 für Urban von Feilitzsch auf Treuen unteren Teils und Moritz Rüdiger von Feilitzsch auf Treuen oberen Teils war die Herrschaftsaufteilung abgeschlossen.
In der Folgezeit blieb das Rittergut über 200 Jahre im Besitz der Familie von Feilitzsch. Ihre Herrschaft ging zu Ende, als die drei Brüder Heinrich Wilhelm Ferdinand, Julius Carl Moritz und Maximilian Julius von Feilitzsch das Rittergut unteren Teils an Johann Gottlob Adler veräußerten. Johann Gottlob Adler aus Coschütz war bürgerlich und bewirtschaftete mehrere vogtländische Rittergüter. Das Gut Unterlauterbach war bereits 1780 in den Besitz seines Vaters Abraham Adler gelangt. Johann Gottlob kaufte 1784 Coschütz und nunmehr auch Treuen unteren Teils. Zudem besaß die Familie Güter in Plohn und Rößnitz.
Von der Familie Adler ging der Besitz 1917 an den Holzgroßhändler Max Emil Fritzsch aus Chemnitz, der das Rittergut jedoch bereits nach einem Jahr an den Fabrikanten Ernst Julius Belger weiterveräußerte. Belger war Besitzer von Emaille- und Metallwarenfabriken in Schwarzenberg, Scheibenberg und Crottendorf. Da er seine Geschäfte von Schwarzenberg aus führte, kam er nur gelegentlich nach Treuen. Im Gegensatz zu Treuen oberen Teils blieb das untere Rittergut von Bränden und Kriegszerstörungen weitgehend verschont. Auch die Wirtschaftsgebäude des inzwischen zum Vierseitenhof ausgebauten Gutes waren nur wenigen Veränderungen unterworfen. So bildete die gesamte Gutsanlage einen organisch gewachsenen Gutsbetrieb. 1939 vererbte Ernst Julius Belger Treuen an seinen Sohn Karl, der 1945 verhaftet wurde und auf dem Weg in ein Internierungslager verstarb. Das Gut teilte die Kreisbodenkommission auf und übergab es Neubauern. Die Wirtschaftsgebäude, die den Gutshof umgaben, brach man 1948 zur Baumaterialgewinnung ab. Das seit dem freistehende Herrenhaus diente mehreren Flüchtlingsfamilien als Unterkunft.
1992 zogen die letzten Mieter aus. Jörg Belger, ein Sohn des letzten Rittergutsbesitzers, erwarbt das Schloss und beabsichtigte, darin ein Hotel einzurichten. Aber ihm fehlten die finanziellen Mittel für die Baumaßnahmen. So stand das Schloss leer und drohte zu verfallen. Doch damit wollten sich die Bürger der Stadt nicht abfinden. Mehrere Jahre Leerstand hatten bereits zu erheblichen Bauschäden geführt. In dieser Situation gründeten engagierte Bürger den Förderverein Schloss Treuen unteren Teils. Ihnen gelang es auch 2003, das Schloss zu ersteigern, das mit Unterstützung der Stadt, Fördermitteln und vielen fleißigen Helfern wieder zu einem Wahrzeichen ausgebaut werden soll. Das Schloss Treuen unteren Teils präsentiert sich dem Besucher wieder in seiner prachtvollen Schönheit. Wenngleich in seinem Inneren noch erhebliche Bauarbeiten notwendig sind, um den alten Zustand wieder herzustellen, ist die Sanierung der Außenfassade bereits gut gelungen.
 
Bildergalerie
Herrenhaus Treuen
(oberen Teils)
Schloss Treuen
(unteren Teils)
Schloss Treuen (unteren Teils)
Wandmalerei
Schloss Treuen (unteren Teils)
Stempelstuckdecke
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