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Beschreibung
Dohna ist eine Kleinstadt am Eingang des romantischen Müglitztales, unweit der Landeshauptstadt Dresden. Bereits für das 9./10. Jahrhundert sind in Dohna und Umgebung Slawen belegt. Zwei Burgen, deren genaue Bauzeit nicht bekannt ist, - der Schlossberg und der Robisch - deckten die wichtige Nord-Süd-Verbindung nach Böhmen. Sie waren Verwaltungs- und Verteidigungszentrum eines Burgbezirkes und zugleich politischer und militärischer Mittelpunkt des slawischen Gaues der Nisani. Unter Heinrich I. begannen 928/929 Eroberungszüge gegen die Slawen, die bis 934 zur Unterwerfung des Gebietes bis zur Oder führten.
Aus einer Vorburgsiedlung auf dem Taschenberg entstand seit dem Ende des 11. Jahrhunderts allmählich die Stadtanlage von Dohna. Die Stadt selbst wird, obwohl der Prozess der Stadtentwicklung wohl schon im 13. Jahrhundert abgeschlossen war, jedoch erst im Jahre 1425 als solche bezeichnet, während die Burg bereits 1040 als Sammlungsort verschiedener Heere erwähnt wurde.
Zur Sicherung der Macht in den eroberten Gebieten entstand als oberste Militär- und Verwaltungseinheit das Burgwardsystem. Deutsche Burgwarde lehnten sich in ihrem räumlichen Umfang an die slawischen Burgbezirke an. Als Zentrum eines Burgwards nutzte man oft die vorhandenen slawischen Burgen. Interessenvertreter waren Burggrafen, die mit rechtlichen, verwaltungsmäßigen und militärischen Befugnissen ausgestattet waren. Der erste Burggraf in Dohna ist 1113 erwähnt.
Mit der Neuordnung des Reichsgutes Anfang des 12. Jahrhunderts gelangte Dohna als Reichslehen in den Besitz der Edelfreien von Rötha, die sich nach der Burg als Donins bezeichnen. Obwohl die Burggrafen eigentlich dem König oder Kaiser verpflichtet waren, versuchten die Donins - ebenso wie der Markgraf von Meißen und der König von Böhmen - eine eigene Landesherrschaft aufzubauen. Grundlage der Herrschaft war der Besitz von Land und die Abgaben der siedelnden Bauern. Mittels Rodungen versuchten sie, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen.
Die Donins kolonialisierten und gründeten Dörfer und Städte, bauten eigene Ministerialen auf, prägten Münzen und standen einem Lehensgericht vor. Dabei nutzten sie geschickt die Differenzen zwischen dem Markgrafen, dem Bischof von Meißen und dem böhmischen König.
Der sich zunächst günstig vollziehende Aufbau einer Landesherrschaft kam mit der Einigung zwischen Meißen und Böhmen im 13. und 14. Jahrhundert jedoch zunehmend in Bedrängnis. Mit dem Vertrag von Pirna 1372 einigten sich Kaiser Karl IV. und der Markgraf Friedrich III. über die Grenzen zwischen Böhmen und Meißen und für die Donins begannt die Zeit des Untergangs ihrer Selbständigkeit.
Nachdem die Donins bereits Mitte des 13. Jahrhunderts einen Teil ihrer Ministerialität an die Wettiner verloren hatten, mussten sie im 14. Jahrhundert weitere Verluste hinnehmen.
Ein langjähriger Streit zwischen dem jungen Jeschke von Dohna und Hans von Körbitz sowie der Vorwurf des Straßenraubes kamen Markgraf Wilhelm von Meißen gerade recht, um militärisch gegen Dohna vorzugehen. 1399 besetzte er die Burg Rabenau; zwei Jahre später nahm er Dippoldiswalde ein. Nach fast einjähriger Belagerung unterlag auch die Burg Dohna am 19. Juni 1402, wobei sie teilweise Zerstörungen erlitt.
Das Ziel des Markgrafen, die Macht der Burggrafen von Dohna im Süden seiner Erblande zu brechen, war erreicht. Burggraf Otto Heyde II. verstarb vermutlich in Gefangenschaft. Jeschke floh nach Böhmen und dann nach Ungarn, wo er nach Überlieferungen gefangen genommen und enthauptet wurde. Der letzte Sohn, Otto Heide III., verstarb 1415 in Prag. Die Hauptlinie der Donins war erloschen. Das Geschlecht lebte nur noch in Nebenlinien fort.
Verwandte versuchten zwar noch den Familienbesitz zurückzugewinnen, doch vergebens: Die Donins verloren alle ihre Gebiete an den Markgrafen von Meißen. Bereits fünf Tage nach der Einnahme der Burg belehnte der Markgraf seine Vettern Friedrich IV. und Wilhelm I. mit Schloss und Besitz.
Nach dem Fall der Burg wurde Dohna unter Nutzung der noch vorhandenen Wohngebäude zum Mittelpunkt einer markgräflichen Vogtei. Als diese selbstständige Vogtei 1457 im Amt Pirna aufging, verfiel die Burg endgültig und Dohna versank in der Bedeutungslosigkeit.
Der Dornröschenschlaf der Burg Dohna dauerte bis in das 19. Jahrhundert. 1804 investierte der Burggraf Heinrich Ludwig von Dohna aus einer Nebenlinie der Donins in den Wiederaufbau der Stammburg. Er erwarb den Burgberg und ließ erste Ausgrabungen vornehmen. Leider vereitelten die Napoleonischen Kriege die Verwirklichung seines ehrgeizigen Vorhabens. Verschiedene weitere Ausgrabungen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten. Auf Grund der frühen Zerstörung der Burg im 15. Jahrhundert war eine genaue Rekonstruktion jedoch nicht möglich. Dennoch vermittelten insbesondere die Ausgrabungen 1904-06 unter Leitung von Dr. Schlauch einen Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen der einst zu den bedeutendsten mittelalterlichen Burgen in der Mark Meißen gehörenden Anlage. Zu Recht sind der Burgberg und der Robisch seit 1935 als Bodendenkmal geschützt.
Übrig geblieben sind neben Resten der Ummauerung ein Rundturm mit spitzem Kegeldach aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie das 1828 erbaute Schützenhaus, aus der die spätere Burgschenke hervorging. Auf dem Burgberg hat heute eine Begegnungsstätte ihr Domizil.
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Bildergalerie
Burgberg Dohna
Rundturm
Reste der Ummauerung
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Stand: 01.11.2009