Historisches Sachsen
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DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

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Beschreibung
Südlich von Leipzig, an der alten Hauptstraße von Leipzig nach Altenburg gelegen, befindet sich auf einer kleinen Anhöhe das Rittergut Gestewitz. Das zweigeschossige Gebäude ist fast nicht als Herrenhaus zu erkennen, wird es doch von anderen danebenstehenden Wohngebäuden stark bedrängt. Auch von seinem ehemaligen Park ist nur noch ein kleines Stück hinter dem Haus übrig geblieben.
Dabei hat das Gut schon eine lange Geschichte hinter sich. Als älteste Besitzer werden die Herren von der Jahne genannt, die es 1516 an Heinrich von Könneritz verkauften. Nach dem Tod von Heinrich von Könneritz gelangte das Rittergut an Rudolph von Zehmen und später an Georg Maneith, bis es schließlich 1555 in den Besitz der Stadt Borna überging, welche es jedoch wieder veräußerte. Über die Familien von Holläufer und Falckner gelangte Gestwitz an Tobias Ludolph von Zehmen d.Ä.
Das alte meißnisch-sächsisches Adelsgeschlecht kommt aus dem gleichnamigen Stammhaus Zehmen bei Leipzig. Erstmals wurde die Familie mit Fridericus de Cemin 1206 als Zeuge des Markgrafen Dietrich von Meißen urkundlich erwähnt. Die Stammreihe der Familie begann mit Ritter Thimo von Zehmen, der urkundlich 1331 bis 1363 nachweisbar ist. Die Angehörigen der Familie dienten den Wettinern, den Herzögen und Königen von Sachsen. Sie waren Offiziere, Geheime Räte, Diplomaten, Bischöfe und Kammerherren.
1767 erwarb Charlotte Margarethe von Zehmen das Anwesen in Gestewitz und begann mit dem Bau eines neuen, barocken Herrenhauses. Doch das Gebäude konnten nur im Parterre fertig gestellt werden, da die Hausherrin frühzeitig verstarb. Ihr Nachfolger, Ferdinand Ludwig von Zehmen, setzte den Bau nicht weiter fort, weil er lieber auf seinem Gut im nahen Braußwig weilte. Im 16. Jahrhundert waren die Rittergüter Braußwig und Gestewitz zwei eigenständige amtsässige Güter im Amt Borna. Die jeweiligen Grundherren übten die Ober- und Erbgerichtsbarkeit aus. Aufgrund einer gemeinsamen Herrschaft wurden die Patrimonialgerichte der Rittergüter ab 1751 aber gemeinsam verwaltet und gaben im Zuge der Verstaatlichung des Justizwesens in Sachsen ihre Akten 1849 an das Justizamt Borna ab.
1806 übernahm Ferdinand Ludwig von Hausen das Rittergut Gestewitz, konnte das Geld für weitere Bauarbeiten aber nicht aufbringen. Erst durch den Gasthofbesitzer in Gestewitz Johann Gottlob Zschammer, der 1823 den Hof erwarb, wurde das Herrenhaus letztlich vollendet. Seine Tochter Christiane Wilhelmine heiratete Johann August Schade und bewirtschaftete nach dem Tod des Vaters 1832 das Gut Gestewitz bis 1849. Im Zuge der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts trat die Bedeutung der Landwirtschaft jedoch immer weiter in den Hintergrund. Das Rittergut diente nunmehr als Verwaltungssitz und verfolgte repräsentative Zwecke, wozu auch die Integration der Anlage in einen Landschaftspark gehörte.
1910 kaufte Alfred Liebner das Rittergut und 1925 der Leipziger Kaufmann Rödel. Nach der Enteignung wurde das Herrenhaus zu einem Kindergarten um- und ausgebaut. Dabei beseitigte man auch die herrschaftlichen Zeichen, entfernte Zierelemente und riss den Turm ab. 2004 wurde der Kindergarten geschlossen und das Herrenhaus stand leer. Möglicherweise wäre dem Herrenhaus das Schicksal vieler anderer Rittergüter beschieden gewesen, wenn nicht das Architektenehepaar David Knoke und Manuela Friebe-Knoke auf das Anwesen aufmerksam geworden wären. Sie kauften das Grundstück und begannen 2011 mit der umfassenden Restauration. Zwischenzeitlich ist aus dem verwahrlosten Gebäude ein schmuckes Wohnhaus geworden, dass sich harmonisch in das Ortsbild eingliedert.
So präsentiert sich dem heutigen Besucher ein zweigeschossiges Bauwerk auf rechteckigem Grund mit abgewalmten Mansarddach und symmetrischer Fassadengliederung. Die Mittelachse betont ein flacher Risalit. Mit Sandstein umkleideten Dacherker und Pilaster an den Hausecken geben dem Bau ein herrschaftliches Gepräge. Kartuschen mit dem Buchstaben "S" über den Pilastern weisen auf die Familie Schade hin, die im 19. Jahrhundert im Besitz des Herrenhauses war.
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Bildergalerie
Herrenhaus Gestewitz
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Stand: 07.02.2015