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Beschreibung
Das rot-weiß gestrichene Torhaus mit dem dominanten Turm lenkt das Interesse des Besuchers sofort auf sich. Eine kleine Brücke führt zur Tordurchfahrt, die den Blick auf einen großen rechteckigen Hof freigibt. Wirtschaftsgebäude rahmen den Hof, an dessen Ende - von Wassergräben umgeben - einst ein stattliches Schloss stand. Doch dieses Schloss ist heute nicht mehr vorhanden. Nur ein kleiner Hügel, mit einer Buche bewachsen, erinnert noch daran.
Die Gemeinde Großharthau am Rande des Lausitzer Berglandes erfuhr ihre erste urkundliche Erwähnung bereits im beginnenden 13. Jahrhundert in einem Protokoll der Unterhändler des Königs von Böhmen und des Bischofs Bruno von Meißen. Noch vor der Errichtung des Dorfes gab es jedoch vermutlich schon eine Befestigungsanlage in Form einer Wasserburg an dem alten Handelsweg von Polen bis nach Franken, der sich entlang des Flusses Wesenitz zog. Das über 800 Jahre alte Rittergut bildete dabei eine wichtige Station an der damaligen Heer- und Poststraße. Ob diese Befestigungsanlage sorbischen oder deutschen Ursprungs war, ist bis heute nicht sicher.
Die erste urkundliche Erwähnung der Wasserburg stammt aus dem Jahre 1350. In einer Urkunde werden Henlein von der Aue und sein Sohn Martin als Besitzer genannt, die sich gegenüber dem Meißner Bischof Johann I. verpflichteten, ihren Hof nicht ohne Wissen des Landesherrn zu befestigen. Nachfolgende Besitzer von Harthau waren 1402 die Herren von Haugwitz und Hans von Schönberg, der das Gut 1465 an Hans von Krahe verkaufte. Darüber hinaus diente das Schloss aber auch namhaften Persönlichkeiten als Quartier, so u.a. Napoleon, der im Jahre 1813 mehrmals im Schloss übernachtete.
Doch der große Hof geht auf bürgerliche Besitzer zurück. 1764 erwarb Johann Gottfried Uhlmann Großharthau und Goldbach, verkaufte diese Besitzungen aber 1775 an den Kauf- und Handelsherrn Christoph Gottlieb Haußner. Haußner ließ 1794 das barocke Torhaus errichten, dessen Fassaden durch Lisenen untergliedert werden. Den zweigeschossigen Bau schmückt ein mächtiger Dachreiter mit geschweifter Haube. Dreiecksgiebel mit leeren Wappenkartuschen betonen auf beiden Seiten die Dachpartie.
Am Schloss ließ der nachfolgende Besitzer, Carl Gottlieb Haußner, um 1850 bauliche Veränderungen durchführen, die zu einem schlichten Renaissancebau mit Walmdach führten. Angeblich sollen sogar Kanonenkugeln verbaut worden sein, die an Napoleons Feldzug und dessen Übernachtungen in Großharthau erinnern.
1860 kaufte Fürst Friedrich Günther von Schwarzburg-Rudolstadt die Güter Großharthau und Goldbach und vererbte diese, nach seinem Tod 1867, an seinen Sohn Günther Sizzo, Prinz von Leutenberg. Da der Prinz erst sieben Jahre alt war, wurden seine Besitzungen für ihn verwaltet. 1892 siedelte Sizzo von Leutenberg dann nach Großharthau über. Zu dieser Zeit befand sich das Schloss in einem schlechten baulichen Zustand, der den Schlossherrn veranlasste, einen Umbau sämtlicher Gebäude, einschließlich des dazugehörenden Nebengelasses, zu planen. Mit den Umbauarbeiten, die 1894 begannen und 1902 der Königlichen Amtshauptmannschaft in Bautzen als beendet gemeldet wurden, beauftragte er den Baumeister Petrich. Es entstand ein dreigeschossiges Schloss mit einem ungleichmäßigen rechteckigen Grundriss und 42 Zimmern.
Prinz Sizzo von Leutenberg residierte bis zu seinem Tod 1926 in Großharthau. Am 2. Juni 1896 sprach man ihm zwar die Thronfolge zu und er nannte sich nun auch "Prinz von Schwarzburg", doch die Revolution von 1918 beendete seine Chance auf eine Nachfolge als Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt. Sein Sohn Friedrich Günther folgte ihm als Oberhaupt des Hauses.
Während des 2. Weltkrieges lagerten in Schloss Großharthau Akten von deutschen Betrieben. Mit der Beendigung der Kriegshandlungen ging Prinz Friedrich Günther in den Westen, während die Rote Armee das Schloss besetzte und geplünderte. Sein Ende kam im Januar 1946. Ein Brand zerstörte den Dachstuhl und Teile der oberen Etage. In Folge dessen wurde das Schloss 1948 abgerissen. Die Steine nutzten man in anderen Gebäuden und mit dem Bauschutt verfüllte man den Schlossgraben. Übrig geblieben ist nur noch ein Hügel mit den Resten des Schlosskellers sowie die umliegenden Gebäude des Rittergutes, die heute zu einer Wohnanlage umgebaut sind.
Neben dem Torhaus und den Gebäuden des Rittergutes erinnert auch noch ein gepflegter Schlosspark an die herrschaftlichen Verhältnisse. Der Schlosspark schließt sich an die frühere Schlossinsel an. Eine kurze Allee führt zu einem Wasserbassin, das eine halbkreisförmige Böschung umgibt. Hecken, Lindenbäume und eine Treppenanlage gliedern die Gartenlandschaft. Auf der Anhöhe stehen wertvolle Sandsteinfiguren, die der Bildhauer Balthasar Permoser geschaffen haben soll. Sie stellen zwei allegorische Frauenfiguren und die vier Jahreszeiten dar.
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Bildergalerie
Rittergut Großharthau
Barockgarten
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Stand: 01.11.2009