Historisches Sachsen
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Beschreibung
Eine große Überraschung wartete auf die Bauleute, die in den 1990er Jahren das Alte Schloss in Hof restaurierten: Unter einer abgehängten Decke im Festsaal des Obergeschosses förderten sie eine der schönsten Renaissancedecken Sachsens zu Tage. Zwischen den profilierten Holzbalken befinden sich in acht Reihen jeweils elf Kassetten mit Emblemmalerei aus dem 16./17. Jahrhundert. Die Bilder wurden auf Leinwände gemalt und dann an den Deckenbrettern befestigt. Sie beinhalten Garten- und Schlossdarstellungen, die sich mit symbolischen Bildszenen abwechseln.
Die Emblemmalerei ist eine typische Darstellungsweise religiöser, mythologischer und allegorischer Themen im 16. und 17. Jahrhundert. Sie richtet sich nach einem strengen Aufbau, bei dem jedes Emblem drei Elemente beinhaltet: Das Lemma (Motto) war eine meist lateinische Formulierung, die eine ethische Forderung, eine Lebensregel oder einen Wahlspruch enthielt. Das Lemma war sehr kurz gehalten. Manchmal genügte bereits ein Wort. Zentral stand das Icon. Es ist der bildliche Teil des Emblems, für den es weder inhaltlich noch formal enge Grenzen gab. Der dritte Bestandteil ist das Epigramm. Es hatte die Aufgabe, die oft rätselhaft anmutende Kombination von Lemma und Icon zu erklären oder doch zumindest die Lösung des Rätsels zu erleichtern. Zur Anwendung kamen meist klassischen Sprachen, wie Griechisch oder Latein, und Formen der antiken Poesie. Im 17. Jahrhundert fanden als Embleme zunehmend lehrhaft-moralische Inhalte Verwendung, zum Beispiel Illustrationen bekannter Sprichwörter.
Neben der bemalten Decke ist die Emblemmalerei auch in den Nischen der Wände und in dem zur Decke angrenzenden Fries der Ost- und Westwand zu finden. Darüber hinaus wurden auch die Kamineinrahmung und der westliche Eingang malerisch gestaltet.

Nur wenige Kilometer südlich von Oschatz gelegen besitzt der kleine Ort Hof zwei interessante Schlösser. Im neu restaurierten Renaissanceschloss hat die Gemeindeverwaltung ihren Sitz gefunden, während im gegenüberliegenden Barockschloss die Schule des Ortes untergebracht ist. Über viele Jahre war Hof im Besitz der Adelsfamilie von Schleinitz. Christoph von Schleinitz ließ um 1540 das Alte Schloss, ein winkelförmiges, zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach erbauen. An der einfachen Fassade heben sich nur die rechteckigen Fenstergewände und ein Erker an der Westseite ab. Das Schloss wird sichelförmig von einem kleinen Teich umgeben.
1690 kam die Herrschaft durch Heirat an den königlich polnischen und kurfürstlich sächsischen Geheimrat Georg Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf. Die ursprünglich aus Österreich stammende gräfliche Familie wanderte im 17. Jahrhundert auf Grund ihres lutherischen Glaubens nach Sachsen aus. Besondere Bekanntheit erlangte Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, der in der Oberlausitz die Herrnhuter Brüdergemeinde gründete. Auf seinem Gut in Berthelsdorf nahm er evangelische Glaubensflüchtlinge aus Mähren auf, die ständigen Verfolgungen ausgesetzt waren.
Friedrich Christian Graf von Zinzendorf und Pottendorf ließ um 1750 neben dem Alten Schloss ein neues Schlossgebäude errichten. Die Fassade des zweiflügeligen Barockbaus war ursprünglich mit einer illusionistischen Bemalung versehen. An der Ostseite ist die Bemalung in einer Probeachse rekonstruiert. Sie gab dem Schloss einen vornehmen Charakter. Zwischen den rechtwinklig angelegten Schlossflügeln ist ein schlanker Treppenturm angeordnet, der seine Zwiebelhaube erst 1905 erhielt, nachdem der Treppenturm im Jahr zuvor infolge eines Blitzschlags ausgebrannt war.
Bis 1774 befand sich Hof in den Händen der Grafenfamilie von Zinzendorf. Dann musste Maximilian Erasmus von Zinzendorf und Pottendorf den Besitz verkaufen. Verschiedene sächsische Adelsfamilien folgten. Der letzte Besitzer des Gutes war Rittmeister a.D. Georg von der Decken, dem 1932 das Geld ausging. Das Rittergut wurde aufgeteilt; die Schlösser gingen in den Besitz der Gemeinde über. Das Alte Schloss diente fortan als Wohnhaus. Im Neuen Schloss richtete die Gemeinde eine Schule ein. Über lange Zeit wurden an der Bausubstanz jedoch keine werterhaltenden Arbeiten vorgenommen. In Folge dessen war das Alte Schloss 1991 so baufällig, dass die letzten Mieter das Gebäude verlassen mussten. Doch die Gemeinde nutzte die Chance und begann mit der Restaurierung des Renaissanceschlosses. Gewaltige Summen sind bis 2003 in das Gebäude geflossen und noch immer sind nicht alle Räume in der alten Pracht wieder hergestellt. Es ist zu hoffen, dass die Gemeinde in den kommenden Jahren das Werk vollendet.
An das Schlossgelände schließt sich ein weitreichender Landschaftspark an. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Park mit kostbaren Sandsteinfiguren aus der Mythologie angelegt.
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Bildergalerie
Altes Schloss
Festsaal
Neues Schloss
Rekonstruierte Fassadengestaltung
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Stand: 13.08.2011