Historisches Sachsen
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DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

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Beschreibung
Wer vom Kloster Nimbschen unweit von Grimma spricht, kommt um Katharina von Bora nicht herum. Die bekannteste Nonne des Klosters war nach der Reformation in Sachsen in aller Munde. Viele Geschichten von der Flucht wurden erzählt und gingen von Mund zu Mund: Wie der Torgauer Ratsherr Leonhard Koppe neun Nonnen aus dem Kloster herausbrachte, wie er sie in Heringstonnen nach Grimma und dann nach Torgau transportierte, wo sie endlich ihr dunkles Versteck verlassen konnten, wie sie von Luther Unterstützung erhielten.
Die Klosterruinen sind heute noch ein beliebtes Ausflugsziel. Unter hohen Bäumen stehen die letzten Mauern und fordern den Besucher auf, sich in die Vergangenheit zurückzuversetzen.
Bereits im Jahre 1250, als die ersten Zisterzienserinnen aus Torgau nach Grimma kamen, begann die Geschichte dieses Klosters. 1258 kauften die Nonnen erste Güter in Nimbschen und ließen in den 70er Jahren des 13. Jahrhunderts hier ihr Kloster erbauen. Aus dem Jahre 1277 ist der Name "Marienthron" für das Nonnenkloster überliefert. Die wettinische Gründerfamilie stattete das Kloster reich mit Landbesitz aus. In acht Dörfern der näheren Umgebung übte das Kloster die Grund- und Gerichtsherrschaft aus. Die Bauern waren zur Fron verpflichtet. Auch zwei Vorwerke zählten zum Eigentum des Klosters. Die Erträge aus der Grundherrschaft und der eigenen Landwirtschaft bildeten die Existenzgrundlage der Zisterzienserinnen in Marienthron. Damit besaßen sie alles, was sie für ihren von der Außenwelt abgeschiedenen Klosterbetrieb benötigten.
Im Jahre 1509 lebten in den Gemäuern 44 Nonnen, vorwiegend aus niederadligen Familien, dazu fünf Laienschwestern und 39 Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter. Der offizielle Vertreter war der Abt von Pforta. Als bekannteste Insassin des Klosters ging Katharina von Bora, die spätere Frau Martin Luthers, in die Geschichte ein. Katharina von Bora stammte aus einer Familie des sächsischen Landadels. Ihre Herkunft ist umstritten. Einigkeit besteht jedoch darüber, dass ihr Vater sie Ende 1504 zur Erziehung in das Brehnaer Benediktinerinnenkloster gab. Später kam sie nach Nimbschen, wo sie lesen, schreiben und auch betriebswirtschaftlichen Abläufe in der Landwirtschaft lernte. Durch die Schriften des Reformators Martin Luther, die sich kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzen, reifte der Gedanke, das Kloster zu verlassen. Ostern 1523 floh sie mit acht weiteren Nonnen. Luther brachte die Frauen bei seinen Freunden in Wittenberg unter und vermittelte ihnen Ehemänner und Ernährer.
1529 wurde der Gottesdienst nach evangelischen Grundsätzen eingeführt. Der Äbtissin sowie den 17 Nonnen blieb es freigestellt, das Kloster zu verlassen.
Nach dem Tode der letzten Äbtissin 1536 wurde die Klosterwirtschaft im Zuge der Reformation aufgelöst und verpachtet. 1550 übereignete Kurfürst Moritz von Sachsen die ehemaligen Klosterbesitzungen der neu gegründeten Landesschule Grimma. Im Laufe der Zeit verfielen jedoch die Gebäude und mussten teilweise abgetragen werden. Aus dem erhaltenen Küchentrakt mit dem darüber befindlichen Schlafsaal entstand später eine Scheune mit Stall. Beim Neubau des Wirtschaftsgebäudes des ehemaligen Klostergutes 1810 nutzte man letztmalig Bausteine aus den Resten der Klosteranlage.
Heute ist noch die Mauer der inneren Klausur erhalten. Davor verlief der Mühlengraben der Klostermühle.
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Bildergalerie
Klosterruine Marienthron
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Stand: 01.11.2009