Historisches Sachsen
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Buch "Schlösser & Burgen in Sachsen"   Buch "Burgenwanderung durch Sachsen"
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Beschreibung
Das weiß getünchte Schloss in Zschopau liegt auf einem nicht all zu hohen Felsen am Ufer des gleichnamigen Flusses. Der Name der alten Burg "Wildeck" ist - wie viele andere Namen erzgebirgischer Burganlagen auch - eine Schöpfung aus der neueren Zeit. In mittelalterlichen Urkunden wird die Burg stets "Zschopau" in verschiedenen Schreibweisen genannt.
Die erste urkundlich gesicherte Erwähnung einer mittelalterlichen Befestigungsanlage stammt vom Ende des 13. Jahrhunderts. Die Ursprünge sind jedoch weitaus älter, denn die Burg entstand wahrscheinlich schon mit der 2. Besiedlungswelle des Erzgebirges in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit waren die Meißner Markgrafen Lehenträger und können als Bauherren angenommen werden.
Einst diente die Wehranlage dem Schutz des "Alten Böhmischen Steiges", der unterhalb der Burg den Fluss Zschopau überquerte und ein überaus wichtiger Handelsweg von Halle nach Prag war. Über das Aussehen der Burg können heute nur Vermutungen angestellt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich die Bauwerke an die Geländesituation mit einem zur Zschopau hin abfallenden Bergsporn anlehnten. Die heute noch sichtbare Randhausbebauung orientiert sich an den bereits im Mittelalter vorhandenen Gebäuden, hat den ursprünglichen Befund jedoch weitgehend verwischt.
In ihrer Geschichte überstand die Burg häufige Besitzerwechsel. Bereits in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts ging Zschopau an die Waldenburger über, die als Lehenträger im oberen Zschopaugebiet zahlreiche Burgen besaßen. Schließlich erwarben 1456 die Wettiner Burg Zschopau und bauten sie 1545 bis 1547 auf Betreiben des Herzogs Moritz, dem späteren Kurfürsten von Sachsen, zum Jagdschloss im Renaissancestil um. Dabei wurde der Halsgraben, der die Burg zur Stadt hin abriegelte, teilweise verfüllt. Im Ergebnis entstand eine nach Norden offene hufeisenförmige Gebäudeanordnung mit dem Bergfried im Zentrum.
Schloss Wildeck erlangte auch durch die regelmäßigen herrschaftlichen Jagden bis zur Fertigstellung der nahen Augustusburg große Bedeutung. Der berühmteste Jägermeister, der von 1554 bis 1576 das Amt des Wild- und Forstmeisters innehatte, war der kurfürstliche "Oberforst- und Landjägermeister" Cornelius von Rüxleben, ein Günstling des Kurfürsten August. Er fiel jedoch durch Verleumdungen eines Forstbediensteten in Ungnade und starb 1590 nach langer Haft auf der Pleißenburg bei Leipzig. Später diente das Schloss überwiegend als Behördensitz.
Schloss Wildeck hat eine schlichte weiße Fassade im Renaissancestil. Zwerchhäuser untergliedern das schiefergedeckte Dach. Die Hofseite markiert ein vorgesetzter Treppenturm.
Die Verwalter nahmen immer wieder bauliche Veränderungen im und am Schloss vor, so z.B. am Treppenturm, "Schlanke Margarete" genannt. Die ursprünglich rechtsgewendelte Holztreppe ersetzte man 1844 durch eine linksgewendelte Steintreppe. Weitere Anbauten erfolgten um 1855, wie das Gefängnis und der Gerichtssaal. Auch am Bergfried, seit alters her "Dicker Heinrich" genannt, waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig. Mit fast vier Metern Mauerstärke und zwölf Metern Außendurchmesser gehört er zu den stärksten Bergfrieden in Sachsen. Im 19. Jahrhundert wurde er um etwa sechs Meter abgetragen.
Wichtige Erkenntnisse über die Burg erlangten Burgenforscher 1999 bei Erdarbeiten. So stieß man auf eine 2,15 m starke Ringmauer aus der Gründungszeit der Anlage, die unmittelbar vor dem Bergfried in Nordrichtung lag und durch einen vorgelagerten Abschnittsgraben, der aus dem Fels geschlagen war, geschützt wurde. Die Lage der Ringmauer ist heute für die Besucher der Burg in der Hofpflasterung sichtbar.
Seit 1994 ist die Stadt Zschopau Eigentümer des Schlosses Wildeck. Die Räume erfahren eine vielfältige Nutzung. So stehen die "Blau-Weiße Stube" und die "Gelbe Cammer" vorrangig für kulturelle Veranstaltungen und für Vereinsaktivitäten zur Verfügung. Im Schloss befinden sich weiterhin eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt Zschopau, das historische Buchdruckmuseum, eine Motorradausstellung und die Touristeninformation.
Nicht zu verachten ist auch der kleine gepflegte Garten, der zu Füßen des Schlosses halbkreisförmig auf dem Burgfelsen liegt. Hecken und Beete beeindrucken den Besucher. Ein Rundweg verbindet die einzelnen Gartenpartien miteinander.
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Bildergalerie
Schloss Wildeck
Schloss Wildeck
Hofseite mit Treppenturm "Schlanke Margarethe"
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Stand: 01.11.2009