Historisches Sachsen
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Auerhammer   
 
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Information

Erzgebirgskreis

Beschreibung
Fachwerkhäuser ziehen wegen ihrer besonderen Bauweise das Interesse der Menschen auf sich. Das ist auch beim Auerhammer nicht anders. Dabei sah es lange Zeit nicht gut für das alte und schwer geschädigte Bauwerk aus, schließlich hatte die Deutsche Nickelwerke AG im Jahr 2001 den Abriss beantragt. Doch engagierte Bürger der Stadt Aue gründeten 2002 den Förderverein Herrenhaus Auerhammer e.V. mit dem Ziel, das historische Gebäude zu erhalten, zu sanieren und sinnvoll zu nutzen. Obwohl im Innern bereits die Decken der süd-westlichen Gebäudeecke eingestürzt waren und andere Decken einzustürzen drohten, begannen ABM-Kräfte mit Notsicherungsmaßnahmen und der Rekonstruktion. Immerhin handelte es sich beim Herrenhaus Auerhammer um das älteste Wohnhaus und nach der Nikolaikirche um das zweitälteste erhaltene Gebäude der Stadt Aue. Seit dieser Zeit ist viel erreicht worden. Wer das Haus von Außen betrachtet könnte meinen, dass die Sanierungsarbeiten bereits abgeschlossen sind. Die Dächer sind dicht und die Fachwerkfassade strahlt bereits wieder im alten Glanz. So präsentiert sich heute ein Schmuckstück der Stadt Aue. Doch der Hauptteil der Arbeiten vollzieht sich gegenwärtig im Inneren und bedarf noch weiterer intensiver Baumaßnahmen.
Mit der Entdeckung von Silbererzen im Erzgebirge im 12. Jahrhundert war auch der Silberbergbau verbunden, der Eisen benötigte. Ausgehend davon prägten der Eisenbergbau, die Eisenverhüttung und die Eisenverarbeitung für 800 Jahre sowohl die Landschaft wie auch die Lebensweise im Erzgebirge. Für die Menschen im Erzgebirge war Eisen ein wertvoller Werkstoff. Seine Gewinnung, Be- und Verarbeitung war neben Silber und Zinn ein jahrhundertealter unabdingbarer Bestandteil ihres Lebens. Zwar waren die Eisenerzvorkommen klein, wodurch sie meist nur den lokalen Bedarf decken konnten, aber dennoch entstanden zahlreiche Erzöfen und Hammerwerke, die vor allem Werkzeuge an die erzgebirgischen Grubenbetriebe lieferten. So verwundert es nicht, dass Hammerwerke seit Langem Bestandteil der Geschichte der Montanregion Erzgebirge sind, denken wir nur an den Frohnauer Hammer bei Annaberg-Buchholz oder den Althammer im Hüttenkomplex der Saigerhütte Grünthal in Olbernhau.
Auch der " Auer Hammer" ist auf den aufstrebenden Bergbau zurückzuführen. Leider gibt es nur wenige historische Belege für die Darstellung der Eisengewinnung und seine Verarbeitung, da Eisen zu den niederen Metallen zählte und seine Förderung deshalb auch nicht dem Bergregal unterstand. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass das Hammerwerk in Aue - wie viele andere auch - im 15. Jahrhundert angelegt wurde. Seine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1526, der eine weitere Nennung in der kurfürstlichen "Holzordnung" im Jahre 1560 als Besitz des Hammer- und Münzmeisters in Schneeberg Sebastin Funck folgt. Neben dem Hammer selbst besaß das Unternehmen auch noch allerlei Zubehör wie das Hammergut, Äcker, Wiesen, Vieh, Teiche, Gehölz und ein Pochwerk. Anfang des 17. Jahrhunderts gehörte der Auerhammer zu den führenden erzgebirgischen Hammerwerken. Doch auch dieses florierende Unternehmen wurde im Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen und zu großen Teilen zerstört. 1644 erwarben Veit Hans Schnorr d.Ä. und der Hammermeister Schöppel den zerstörten Hammer und setzten diesen wieder in Betrieb. Zur gleichen Zeit, wohl zwischen 1633 und 1663, entstand auch das Hammerherrenhaus als Nachfolgebau einer Hauses, welches vermutlich zwischen der Ersterwähnung 1526 und 1632 errichtet wurde. Der stattliche Renaissancebau diente dem neuen Hammerherrn Veit Hans Schnorr (d.J.) von Carolsfeld, der den Hammer 1665 von seiner Mutter erwarb, als repräsentatives Anwesen. Seine Fassade war mit Kreuzstockfenstern versehen. Ein Dachstuhl mit Hängekonstruktion und die Holzdecken als Raumabschluss passten sich der Stilepoche an. Zudem baute Schnorr die Anlage nach einem Brandschaden 1682 zu einem modernen Eisenhammerwerk aus. Es entstanden Hochofen, Blechhämmer, Pochwerk sowie Mahl- und Brettmühle.
1730 wird der Hammer aus dem Schnorrschen Nachlass an den Rat der Stadt Schneeberg versteigert. Ein Dammbruch des Filzteiches im Jahr 1783 setzt dem Werk erneut stark zu und schließlich kommt der Hammer zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Stillstand. Neuen Aufschwung erhält die Fabrik, als Dr. Ernst August Geitner in einem Teil des alten Eisenwerkes eine Argentanfabrik errichtet. Mit ihr wird die Auer Argentan- und Neusilber-Industrie begründet. Im Jahr 1823 gelang Geitner die Herstellung von Argentan aus Nickel, Kupfer und Zink. Damit ergab sich für das in den Schneeberger Wismut-Kobalt-Nickel-Erzen in größeren Mengen vorkommende Nickel erstmals eine Verwendung. Aus dieser Fabrik ging die heutige Auerhammer Metallwerk GmbH hervor.
Nach dem Tod Geitners führte dessen Schwiegersohn Adolph Lange das Unternehmen weiter. Während der Zeit des Nationalsozialismus mussten die Besitzer Bleche für die Rüstungsindustrie liefern, weshalb die Walzwerkanlagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu Reparationszwecken demontiert und die Familie Lange enteignet wurde. Einige Jahre später gelang die Wiedereinrichtung des nun staatlichen Werkes. Heute wird die Produktion durch die Firma Auerhammer Metallwerk GmbH weitergeführt.
Auch das Herrenhaus machte über die Jahre eine stete Verwandlung durch. Nachdem das Dach 1797 einen barocker Dachreiter mit Glöckchen erhielt, erfolgte 1886 der Umbau des Herrenhauses zu Wohnzwecken. Dabei wurde auch der barocke Dachreiter mit dem Glöckchen zum Uhrturm umgebaut. Noch bis 1968 nutzte man das Herrenhaus zu Wohnzwecken. Danach entstanden eine Kantine, Büroräume und eine Betriebsbibliothek. Schließlich gab man 1992 das Herrenhaus auf. Erst mit dem Überlassungsvertrag zwischen der Auerhammer Metallwerk GmbH und dem Förderverein Herrenhaus Auerhammer e.V. zog wieder neues Leben in das Gebäude. Mit tatkräftiger Unterstützung regionaler Fachleute, lokaler Sponsoren, der Heimat verbundener Bürger und auch durch Fördermittel des Landes konnte der Förderverein den Erhalt des Hauses sichern.
Heute ist das ehemaliges Hammerherrenhaus als letztes Zeugnis des ursprünglichen Hammerwerks und als Keimzelle der für die Auer Industrieentwicklung wichtigen Argentanfabrik Ernst August Geitners von hoher technikgeschichtlicher, ortsgeschichtlicher und baugeschichtlicher Bedeutung. Sein massives Erdgeschoss mit einigen Granit-Fenstergewänden beherbergt innen eine gekehlte Holzbalkendecke. Im sächsischen Zusammenhang spektakulär ist das um 1860 verbretterte und nunmehr wieder sichtbare Obergeschoss-Fachwerk, das Kopfstreben, Rautenmuster und verschiedene Reihungen von geschwungenen Andreaskreuzen aufweist. Das mächtige, gebrochene Satteldach ist mit kleinen stehenden Gauben ausgestattet und von einem Dachreiter mit Uhr bekrönt.
 
Bildergalerie
Herrenhaus Auerhammer
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