Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Freistaat SachsenSchlösser & BurgenTagestourenSucheTour 12 - Westlich von Bautzen   
Allgemeines
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Der Ausgangspunkt dieser Tour ist Bautzen. Bautzen (47.000 Ew.) liegt auf einem Granitplateau oberhalb des Steilufers am Oberlauf der Spree. Es besitzt infolge der weitgehend erhaltenen Stadtbefestigung eine imposante Silhouette, was ihm die Bezeichnung "Nürnberg der Oberlausitz" einbrachte. 17 Türme und Bastionen prägen das Gesicht der Stadt, einem Zeugnis mittelalterlicher Stadtbaukunst.
Bautzen ist eine der ältesten Siedlungen Europas. Archäologen sind bei Ausgrabungen auf Werkzeuge aus dem Mittelalter der Steinzeit gestoßen. Um 600 siedelten sich Sorben an. Um 850 war Bautzen Mittelpunkt eines 30 Burgwarde zählenden Gebiets der Milzener.
Der Burgort wurde erstmals 1002 als "civitas budussin" erwähnt. Vom Jahr 1067 an gehörte Bautzen - mit kurzen Unterbrechungen - bis 1635 zu Böhmen. Nach der Überlieferung verlieh 1213 der böhmische König Bautzen das Stadtrecht. Die Lage am Kreuzungspunkt der bedeutenden Handelsstraßen von Halle nach Breslau und von Brandenburg nach Prag verschaffte der Stadt eine hervorragende Stellung im Oberlausitzer Sechsstädtebund (1346-1815) mit Görlitz, Löbau, Kamenz, Zittau und Luban im heutigen Polen.
Um 1400 lag Bautzen in der Einwohnerzahl an achter Stelle in Deutschland. Während des Dreißigjährigen Krieges wechselte die Stadt mehrmals ihren Besitzer. Sie wurde 1620 durch Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen und 1634 durch Wallenstein in Brand gesteckt. Schließlich gelangte Bautzen 1635 mit der ganzen Lausitz von der böhmischen Krone zum Kurfürstentum Sachsen.
Napoleon schlug 1813 in Bautzen eine seiner letzten siegreichen Schlachten. Zu Schaden kamen dabei vor allem die umliegenden Dörfer. 1868 wurde erstmals der Name Bautzen amtlich festgelegt, bis dahin hieß die Stadt Budissin. Im Zweiten Weltkrieg ist Bautzen zur Festung erklärt und im April 1945 umkämpft worden. Bei diesen sinnlosen Operationen ließen 320 Bürger ihr Leben und jedes dritte Haus wurde zerstört.
Heute bildet Bautzen das kulturelle und politische Zentrum der sorbischen nationalen Minderheit und ist Sitz der 1912 gegründeten nationalen Organisation der Sorben (Domowina).

Ortenburg Bautzen


Ein Wahrzeichen Bautzens ist die Ortenburg auf einem Granitplateau über der Spree.
Der Platz, an dem die Ortenburg steht, konnte nicht besser gewählt sein. An drei Seiten von der Spree umflossen und durch steile Abhänge gesichert verfügt die Burganlage über einen natürlichen Schutz gegen alle Feinde.
König Heinrich I. baute die Anlage 932/33 nach der Eroberung des Sorbengaus Milzane als Grenzburg aus. Dann war sie im Besitz der böhmischen Könige und ihrer Stadthalter. Die Ortenburg war jedoch nie ständiger Fürstensitz. Auf ihr residierten die königlichen Verwalter der Oberlausitz. Die eigentlichen Herren der Oberlausitz waren die Landstände, die sich aus den Rittergutsbesitzern, den Sechsstädten sowie den geistlichen Herrschaftsträgern zusammensetzte.
Das heutiges Aussehen der Ortenburg geht auf den ungarischen König Matthias Corvinus zurück, der seinerzeit mit Böhmen auch die Lausitz und Schlesien beherrschte. Die durch Brände zerstörte Burg ließ der Landvogt Georg von Stein im Auftrag des ungarischen Königs 1483-86 im spätgotischen Stil von Grund auf erneuern.
Am zinnengeschmückten Torturm, der früher den einzigen Zugang zur Burg darstellte, befindet sich eine Ädikula mit dem Sitzbild des Matthias Corvinus, 1486 von Briccius Gauske geschaffen. Sie zeigt den König mit den Wappen der von ihm beherrschten Länder. Maßwerkfenster weisen auf die in das 2. Obergeschoss des Turms einbezogene Burgkapelle hin. Der Raum besitzt einen auf Kragsteinen ruhenden Balkon mit reicher Maßwerkbrüstung. Die Kapelle erlitt, wie die übrigen Teile der Burg, im Dreißigjährigen Krieg Beschädigungen.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg endete auch die böhmische Herrschaft in der Oberlausitz. Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen eroberte Bautzen und zerstörte Burg und Stadt. Mit dem Frieden von Prag 1635 kam er zudem endgültig in den Besitz der Burg.
Nach Belagerungen und Zerstörungen durch die Schweden wurde die Ortenburg dann ab 1645 schlossartig erneuert. Sie erhielt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihre fünf markanten Renaissancegiebel und einen von Ezechiel Eckhardt neugestalteten Audienzsaal mit reicher, einst farbiger Stuckdecke, deren Darstellungen Szenen aus der Geschichte der Oberlausitz zeigen, 1662 von den Italienern Vinetti und Comotan geschaffen. Im Zentrum steht die Belehnung von Kurfürst Johann Georg I. mit der Lausitz.
1782 wurden der Schlossgraben zugeschüttet, ein zweiter Ausgang zum Burglehn (Neues Tor), ein Magazingebäude und das Salzhaus errichtet. In der Ortenburg befindet sich das sächsische Oberverwaltungsgericht. Das Salzhaus, 1869 zum Schwurgerichtsgebäude umgebaut, wird seit 1971 als Sorbisches Museum für Geschichte und Kultur genutzt, in dem besonders sorbische Volkstrachten faszinieren.

Barockschloss Neschwitz


Von Bautzen begeben wir uns auf der B 96 einige Kilometer nordwestlich nach Neschwitz.
In Neschwitz befindet sich eines der bemerkenswertesten barocken Schlösser der Oberlausitz. Im 12. Jahrhundert errichteten deutsche Lehnsherren eine wehrhafte Wasserburg. Historisch erscheint Neschwitz 1268 in der Teilungsurkunde der Oberlausitz. Bereits damals gehörte der Ort den Rittern von Schreibersdorf, deren Familie bis 1572 in dessen Besitz war.
Nach den Herren von Schreibersdorf gelangte das Schloss in die Hände verschiedener Adliger, u.a. an den kaiserlichen Rat Hans Hugold von Schleinitz, die Familie von Ponickau und die Familie von Theler. Schließlich ging 1721 das Anwesen an den Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Teck über.
Zu jener Zeit, als nach dem Vorbild des französischen Hofes die Fürsten und der Adel fast aller europäischer Staaten einer ungemeinen Prunksucht frönten, entstand durch den neuen Herrn auf Neschwitz eine prachtvolle Anlage. Das alte mit Wallgräben umgebene Schloss ließ der Herzog abbrechen und an seiner Stelle eine neue, mit Kanälen umgebene Sommerresidenz erbauen. Auf einem künstlichen 5 m hohen Hügel errichtet, diente es zunächst als Sommersitz und Jagdschloss des Bauherrn und seiner Gemahlin, der Gräfin Ursula Katharina von Altenbockum, Reichsfürstin von Teschen und polnische Mätresse Augusts des Starken, bevor es ab 1775 unbewohnt blieb und lediglich Sammlungen, Kunstschätze und eine reiche Bücherei barg.
Das zweigeschossige Gebäude mit Mansarddach ist durch Pilaster gegliedert. Die beiden Statuen in den Nischen der Giebelseiten schuf Benjamin Thomae. Den sich über zwei Etagen erstreckenden Festsaal verschönern Malereien im pompejanischen Stil (1806). Über zwei seitliche Treppen gelangt man in die oberen Gemächer.
Mit dem Alten Schloss entstanden durch den Dresdner Hofbaumeister Johann Friedrich Karcher vier Pavillons (Herren-, Bade- und Küchen-, Archiv-, Theaterpavillon), der Park, ein neuer Wirtschaftshof mit Brauhaus und Brennerei, ein Marstall für 40 Pferde und ein Tiergarten mit Jagdpavillon. Der bereits baufällig Theaterpavillon wurde durch die Krieghandlungen 1945 stark beschädigt und musste 1948 abgetragen werden. Die drei noch vorhandenen Pavillons werden durch die Touristeninformation und die Vogelschutzstation genutzt.
1763 kaufte der Kaiserliche österreichische Rat Freiherr Wolfgang von Riesch Neschwitz und wählte es für seine Sommeraufenthalte. Freiherr von Riesch, ein Mann mit Prachtliebe und Geschmack, schuf neue Fernsichten, ließ Sümpfe entwässern, den Boden erhöhen und Kanäle ziehen. In den Jahren 1766 bis 1775 erweiterte das heute nicht mehr vorhandene Neue Schloss das Ensemble.
Das Neue Schloss bestand aus einem zweigeschossigen Mittelbau und seitlichen, einstöckigen Flügeln. Der geschwungene Mittelbau trug ein Walmdach. Leider brannte das Neue Schloss infolge einer Brandstiftung zu Pfingsten 1945 ab. Die Überreste wurden - sofern sie nicht schon Plünderungen zum Opfer fielen - nach vergeblichen Sicherungsarbeiten abgerissen und auf den Grundmauern die Grund- und Mittelschule Neschwitz errichtet.
Dem Schloss vorgelagert ist eine ca. 5,5 Hektar große Parkanlage, die eine Teilung in einen streng geometrisch gegliederten französischen und einen englischen Teil aufweist. Gegenüber der Kirche befindet sich der von zwei Torhäuschen gerahmte Eingang.
Den französische Teil des Parks gestaltete man mit dem Bau des Alten Schlosses. Der englische Teil entstand mit dem Neuen Schloss. Im Park befinden sich drei Sichtachsen, die in die freie Landschaft, auf die Kirche Neschwitz und auf den Jagdpavillon (Jugendherberge), am Ende der Kastanienallee, gerichtet sind.
1953 zog eine Vogelschutzstation der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften Berlin in das Schloss ein und setzte die Arbeit der bereits 1930 vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz unter Forstmeister Prof. Dr. Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch in Neschwitz gegründeten Vogelschutzwarte fort. Große Vogelvolieren erblickt der Besucher an der Südseite, in denen verletzte heimische Vögel gesund gepflegt werden.
1993 eröffnete in drei Räumen des Schlosses eine ständige Ausstellung zum Naturschutz. In der 1978 gegründeten Kleinen Galerie sind viermal im Jahr wechselnde Ausstellungen zur regionalen Kunst zu sehen.
Von der Schlossterrasse an der Parkseite bietet sich ein herrlicher Blick auf den tiefer liegenden Barockgarten, die Pavillons und die wohl vom Hofbildhauer Johann Christian Kirchner geschaffenen Gartenplastiken.

Barockschloss Rammenau


Die Tour endet im Barockschloss Rammenau, das 1721-37 unter Johann Christoph Knöffel erbaut wurde. Auf hufeisenförmigem Grundriss errichtete Knöffel einen zweigeschossigen Dreiflügelbau mit Mansardenwalmdach. Den verschiedenen Bauphasen entsprechend ist das Schloss noch barock mit schon klassizistischen Elementen.
Sachsens schönstes erhaltenes barockes Landschloss mit seinem Garten ist ein großartiger Rahmen für Feste und Feiern, für kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen.
Rammenau ist deutschen Ursprungs und wurde erstmalig 1213 in einer Grenzberichtigung zwischen dem Königreich Böhmen und den Besitzungen des Bischofs von Meißen erwähnt. Es gehörte schon zu früher Zeit den Burggrafen von Camenz, deren Seitenlinien sich nach ihren Schlössern nannten (Ponickau, Canitz, Pulsnitz).
Eine neue Epoche setzte ein, als der Appellationsrat und Kammerherr Ernst Ferdinand von Knoch 1717 den in Konkurs geratenen Gutsbesitz von Carl Heinrich von Seydewitz übernahm und 1721 offiziell mit dem Gut belehnt wurde. Unter dem Einfluss der Fürstenhöfe passte auch der Adel seine Landgüter den höfischen Vorstellungen an. Auf hufeisenförmigem Grundriss errichtete vermutlich Johann Christoph Knöffel 1721-37 für den Kammerherrn einen zweigeschossigen Drei-Flügel-Bau mit Mansarddach. Den betonten Mittelrisalit krönt ein Dreiecksgiebel. Lisenen gliedern die schlichte in gelb und weiß gestrichene Fassade. Dem barocken Schloss ist der ehemalige Wirtschaftshof vorgelagert. Ihn begrenzen an den zwei Seiten eingeschossige Gebäude, die sich harmonisch in die Gesamtheit des Ensembles einfügen.
Die neue, streng symmetrisch gegliederte Anlage wird durch das zweigeschossige Torhaus mit Glockenturm betreten. Über den Wirtschaftshof gelangt man, von zwei Kavaliershäuschen flankiert, in den Ehrenhof, an dessen Ende sich das Schloss befindet. Die repräsentative äußere Gestalt des Schlosses setzt sich bei der Gestaltung und Ausstattung im Innern fort. Dem Zeitalter des Absolutismus entsprechend waren die Herrschenden bemüht, ihre Lebensweise dem Hof anzupassen und standesgemäß aufzutreten.
So gliedert sich das Schloss Rammenau in Wohn-, Repräsentations- und Wirtschaftsräume. Unmittelbar an die Eingangshalle schließt sich der Gartensaal an, der über eine Treppe den direkten Zugang zum Park ermöglicht. Eine Besonderheit stellt das Treppenhaus dar. Es liegt nicht in der barocken Sichtachse, sondern ist - wohl aus Kostengründen - ein Stück nach rechts versetzt.
Über das Treppenhaus mit seiner heutigen illusionistischen Ausmalung (um 1800) erreicht man den Spiegelsaal, den größten und höchsten Raum des Schlosses. Ursprünglich im schlichten Weiß gehalten, erhielt er 1901 sein heutiges Aussehen mit einer beigen Farbgebung und hölzerne Rahmen zur Wandgliederung.
Doch das stattliche Schloss ruinierte schon bald den Bauherrn Ernst Ferdinand von Knoch. Bei der Zwangsversteigerung 1744 fiel das Anwesen an die Familie von Hoffmann, die den Ausbau fortsetzte.
1794 kaufte Friedrich Kleist, Rittmeister und Ritter des Johanniterordens, Schloss Rammenau. Der neue Herr gestaltete das Schloss und die Parkanlage so, wie sie heute noch zum größten Teil zu sehen sind. Er ließ unter anderem die Decken- und Wandmalereien ausführen und den Garten im klassizistischen Stil umgestalten. Geschwungene Wege durchzogen fortan das Areal. Kleist ließ auch die Parkfläche erweitern und mit Teichen und Baumgruppen auflockern.
Das 20. Jahrhundert brachte noch einmal durchgreifende Veränderungen. 1939 wurde Rammenau unter Denkmalschutz gestellt und sechs Jahre später die letzte adlige Besitzerin, Margarete von Helldorff, enteignet. Das Schloss diente anschließend als Gedenkstätte und Museum. Umfangreiche Sanierungsarbeiten gaben ihm zur Jahrtausendwende sein ursprüngliches Aussehen zurück.
Schloss Rammenau ist in jeder Hinsicht ein Kleinod. Die wertvollen Tapeten und Wandmalereien, die klassizistisch-illusionistische Architekturmalerei im Treppenhaus und der Spiegelsaal führen den Besucher in die Welt glanzvoller Feste. Diese Vollendung innenarchitektonischer Baukunst setzt sich in den anderen Räumen fort: im Chinesischen Zimmer, dem Goldenen Zimmer, dem Blauen Salon, dem Jagdzimmer, dem Bulgarischen Zimmer (Pfauenzimmer) oder dem Teufelszimmer.
Aber in diesem Schloss wurde nicht nur getanzt und gefeiert. Viele Schlossherren von Rammenau waren der Wissenschaft zugetan, allen voran Johann Centurius Hoffmann von Hoffmannsegg, ein namhafter Botaniker und Entomologe.
Dem 1762 in Rammenau geborenen späteren Philosophen Johann Gottlieb Fichte, Sohn eines armen Bandwebers, ermöglichte die Protektion des Herrn von Miltitz ein Studium in Leipzig und Jena. Im Schlosspark aus dem 18. Jahrhundert mit seinen Sandsteinfiguren, Postamenten, Balustraden und Treppen fand der Philosoph schließlich einen würdigen Platz. Umgeben von schattigen Bäumen steht das Denkmal des ersten gewählten Rektors der Berliner Universität.

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