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Beschreibung
Manchmal möchte man in unserer heutigen Zeit meinen, 300 Jahre sind für ein Bauwerk überschaubar und geschichtliche Quellen ausreichend vorhanden. In Kössern ist das anders. Wenngleich das Jagdhaus in Kössern, zwischen Grimma und Colditz, auch nur 300 Jahre alt ist, fehlen doch gesicherte Erkenntnisse über seinen Bau.
Nur über die Eigentümer gibt es weitestgehend Klarheit. Als Besitzer eines Rittergutes wird im Jahre 1612 Siegmund von Haugwitz genannt. Später gehörte es der Familie von Erdmannsdorff. Diese war im 17. Jahrhundert an das Rittergut Kössern gelangt. Aus der Familie ragte der "Erb-, Lehn- und Gerichtsherr" von Kössern, Oberhofjägermeister und Ältestenminister am Hofe Augusts des Starken, Wolf Dietrich von Erdmannsdorff, heraus. Er ließ zwischen 1703 und 1718 in Kössern zahlreiche Wohnhäuser, das "Kavalierhaus", die "herrschaftliche Schenke" und auch das Jagdhaus errichten.
Wolf Dietrich von Erdmannsdorff wohnte im Herrenhaus auf dem Rittergut. Das Jagdhaus nutzte er, um Gäste zu empfangen und stilvoll zu tafeln. Jagdgesellschaften waren zur Zeit Augusts des Starken sehr beliebt, dienten sie doch dem standesgemäßen Zeitvertreib, dem geselligen Beisammensein und der Repräsentation. Da wollte auch der Ältestenminister am kurfürstlichen Hof nicht abseits stehen. Sein Jagdhaus war baulicher Rahmen für die herrschaftlichen Jagdgesellschaften und Unterkunft für die Gäste vom Hofe.
Die Vollendung des Bauwerkes ließ sich einst von zwei Obelisken ablesen, die neben dem Namen des Herrn auch die Jahreszahl 1711 enthielten. Fehlende Unterlagen für den Bau lassen jedoch die Vermutung offen, dass es hier wohl an einer offiziellen Genehmigung mangelte. Auch die Herkunft des Baumaterials ist zweifelhaft. Darüber hinaus gibt es über den Baumeister des Jagdhauses keine Überlieferungen. Aus der Gestaltung des Bauwerkes lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit aber Matthäus Daniel Pöppelmann als Architekt annehmen.
Über einem rechteckigen Grundriss erhebt sich ein zweigeschossiges Gebäude mit Mansarddach. Ein zartes Putzrelief und eine illusionistische Bemalung gliedern die Fassade mit den elf Fensterachsen. Fensterverdachungen mit Kartuschen betonen die fünf mittleren sowie die beiden äußeren Achsen.
Der Zutritt zum Jagdhaus erfolgt nahezu ebenerdig in einen Vorraum, den vier Säulen und ein Wappenstein schmücken. Die Eingangshalle war ursprünglich für die Durchfahrt von Wagen gedacht. Rechter Hand erschließt eine Treppe das Obergeschoss. Deckengemälde und reiche Stuckverzierungen belebten die oberen Räume. Das Schmuckstück ist jedoch der Festsaal, der die gesamte Gebäudetiefe einnimmt. An seinen Schmalseiten stehen Kamine mit reich verzierten Aufsätzen.
1772 erwarb der Chemnitzer Kaufmann Christian Friedrich Abendroth das Rittergut von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Christian Friedrich Abendroth wurde 1793 von Kaiser Franz II. in den Adelsstand erhoben. Die Familie blieb bis 1945 im Besitz von Kössern. Dann wurde der letzte Rittergutsbesitzer Ferdinand von Abendroth mit seiner Familie verhaftet und auf die Insel Rügen deportiert. Das Jagdhaus - zwischenzeitlich in einem schlechten Zustand - sollte 1950 abgerissen werden, doch der engagierte Einsatz des Bürgermeisters Werner Kötz und des Architekten Manfred Berger verhinderten das Vorhaben. So gelang es, das Jagdhaus 1970 zu restaurieren und einer öffentlichen Nutzung zuzuführen.
Leider führten die Bauarbeiten in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Veränderungen. Man zog Schornsteine in den Räumen ein, errichtete zusätzliche Mauern zur Unterteilung und installierte eine Heizungsanlage. Dadurch veränderte sich nicht nur die Raumaufteilung, sondern es kam auch zur teilweisen Zerstörung der Deckengestaltung.
Dennoch ist das Jagdhaus ein Kleinod der barocken Baukunst. Es sah viele glanzvolle Feste. Die reich bemalte Fassade und der Festsaal mit Kaminen und zahlreichen Deckengemälden bildeten den festlichen Rahmen und zeugen vom Prunk der vergangenen Zeit.
Auch heute noch hat die Kultur ihren festen Platz in dem Gebäude. Regelmäßige Konzerte laden Gäste zu einem Besuch ein. Der Festsaal mit seinem Blüthner-Flügel bietet dazu ein stilvolles Ambiente. Neben namhaften Künstlern werden durch den Förderverein auch junge Talente unterstützt, die hier stets auf ein sachverständiges und begeisterungsfähiges Publikum treffen.
Dem Jagdhaus vorgelagert war zur Zeit seiner Entstehung ein großer Barockgarten, der heute leider völlig zerstört ist. Über sein Aussehen sind keine Überlieferungen vorhanden. Nur die heutige Streuobstwiese zeugt noch von seiner Lage.
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Bildergalerie
Jagdhaus Kössern
Festsaal
Deckengemälde im Festsaal
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Stand: 01.11.2009